10.12.2009 | Transport + Logistik

Nordseewerke in Emden schließen

Emden. In den Nordseewerken geht am Freitag das vorerst letzte Containerschiff vom Stapel. Mit dem 228 Meter langen Schiff „Frisia Cottbus“ - das 3400 Conatiner transportieren kann - für die Reederei Hartmann im ostfriesischen Leer verabschiedet sich die Traditionswerft nach 106 Jahren endgültig vom Handelsschiffbau. Derzeit gibt es keine Neubauaufträge mehr.

Der ehemalige Betriebsratschef Fritz Niemeier sieht als Ursache für die Misere neben Dumping-Löhnen auf Werften in Fernost die globale Finanzkrise. Helfen könne der Staat und auch die EU. „Mit Abwrackprämien für alte Schiffe ließe sich auch aus Klimagründen ein Programm für umweltfreundliche Schiffe auflegen. Stattdessen werden marode Schiffe in gefährlicher Kinderarbeit in Indien ausgeschlachtet“, sagte Niemeier. Rund 550 Schiffe haben die Nordseewerker seit 1905 gebaut oder repariert.

Die Nordseewerke im ostfriesischen Emden wurden 1903 gegründet und zählen zu den ältesten noch bestehenden Werften Deutschlands. Der Standort umfasst 550.000 Quadratmeter Freifläche und 75.000 Quadratmeter Produktionshallen. 1974 wurde die Werft von der Thyssen AG übernommen und firmierte von 1976 an unter Thyssen Nordseewerke GmbH. Der Schwerpunkt lag unter anderem bei Handelsschiffen sowie beim Sonderschiffbau.

Am 4. September einigte sich ThyssenKrupp mit dem rheinland-pfälzischen Stahlbauunternehmen Siag Schaaf Industrie AG in Dernbach über den Verkauf. Bis Mitte 2011 soll mit dem Auslaufen der U-Boot-Fertigung und dem gleichzeitigem Anlaufen der Offshore-Produktion ein sanfter Übergang erfolgen. Geplant ist in der Anlaufphase eine jährliche Kapazität von 100 Offshore-Türmen, 60 Maschinenträgern und 75 Untergrund-Strukturen. Von 1250 Werftarbeitern wechseln gut 700 zu Siag, andere gehen vorzeitig. Nur ein kleiner Rest bleibt im Reparatur- und Ingenieurbereich von ThyssenKrupp.

Im „Zukunftsvertrag“ mit ThyssenKrupp wurde zudem erstritten, dass nach einem Jahr neu über die Auftragsvergabe im Werftenverbund mit Standorten in Kiel und Hamburg nachgedacht wird, etwa bei Marineschiffen wie Fregatten, Versorgern und U-Booten. (dpa/beg)

 
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