18.03.2010 |

NFZ-Mietmarkt: Die Angst wächst mit

München. Nach einem turbulenten und durch Insolvenzen geprägten letzten Jahr findet der Markt der Nutzfahrzeugvermieter langsam wieder Tritt. Einige Mietflotten wachsen bereits wieder. Dennoch fürchten die Experten, dass eine neuen Pleitewelle die Branche treffen könnte: Diesmal geht es aber nicht um die Vermieter, sondern um deren Mietkunden.

Zu jenen Nutzfahrzeugvermietern, die nach dem rasanten Jahr 2009 nicht mehr den Sprung ins neue Jahr geschafft hatten, zählt Alpha direkt. Mit dem Jahresbeginn hatte sich die Marke der Alpha Handels und Finanz AG vom Markt verabschiedet. Über der Hama Goup schwebt nach wie vor das Insolvenzverfahren. Die Fahrzeuge der Fuhrparkprofis können mittlerweile nur über den neuen Eigentümer Buchbinder angemietet werden. Auch die Paul Günther AG sieht dem Abschluss des Insolvenzverfahrens und der Befriedung der letzten Widersprüche entgegen.

Derweil laufen seit zweieinhalb Monaten die Geschäfte des Hamburger Trailervermieters auf gutem Niveau, einige Standorte melden bereits knappe Bestände. Das ganze findet, ähnlich dem Gesamtmarkt, auf Basis von niedrigen Mietraten statt. Den Trend in der Nutzfahrzeugvermietung mittelfristig Mietquoten wie in Großbritannien oder den USA auch auf den deutschen Markt zu erhalten, hält Paul Günther Vorstand Anselm Brackert für nachhaltig. „Bis zu 50 Prozent Mietanteil ist in den kommenden Jahren auch in Deutschland möglich“, ist Brackert überzeugt.

Weitere Konsolidierungen nicht auszuschließen

Wer allerdings bis dahin am Markt bleiben wird, ist die spannende Frage. „Weitere Konsolidierungen sind nicht auszuschließen, allerdings wird die Auswahl der möglichen zueinander passenden Partner immer geringer“, kommentiert Pac-Lease-Geschäftsführer Ronald Hahn die momentan Lage. Die Frage nach einer weiteren Marktbereinigung in der Vermietsparte lässt sich auch aus Sicht des Branchen-Riese Euro-Leasing relativ einfach beantworten. „Ab einer bestimmten Größenordnung können unabhängige Vermieter aufgrund des hohen Kapitalbedarfs einfach nicht mehr mithalten und landen deshalb unter dem Dach von Herstellern oder Finanzgesellschaften“, erklärt Euro-Leasing-Geschäftsführer Ralf Faust. Adäquate Marktnischen werden die private Vermieter laut Faust aber weiterhin im Regionalbereich finden.

Für Hahn steht fest, dass alle Nutzfahrzeughersteller bemüht sind, die Miete als Vertriebskanal zu erschließen. Wie alle Anbieter mussten auch die Vermiettöchter der LKW-Hersteller das Angebot drastisch runterfahren, so auch Scania.. „Wir haben die Scania Rent-Vermietflotte um rund 20 Prozent verringert“, bestätigt Christian Teichmann, Direktor Verkauf LKW bei Scania Deutschland, Österreich. Im Moment bauen die Schweden die Flotte allerdings wieder auf. Um bis zu 300 Einheit auf dann 1100 Fahrzeuge soll es in diesem Jahr noch gehen.

Was sowohl die Mehrmarken-Anbieter als auch die NFZ-Mietableger eint, ist die Angst vor einer Pleitewelle der Kundschaft. Fürchteten im vergangenen Jahr viele Spediteure die Insolvenz ihres Vermietpartners, wendet sich nun das Blatt. „In diesem Jahr könnte es genau andersherum sein“ prognostiziert Finanzexperte Matthias Lieschied, Vice President bei der DVB Bank. „Die wesentliche Marktbereinigung erwarte ich eher unter den Transporteuren als im Vermietmarkt“. (rs)

Mehr zu den Entwicklungen und Trends im Mietmarkt erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der VerkehrsRundschau 11/2010

 
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