28.10.2009 |

Neue Bescheidenheit im Hamburger Hafen

Hamburg. Im erfolgsverwöhnten Hamburger Hafen rechnen die Unternehmen nicht damit, dass sich bei anziehender Konjunktur die Umschlagzahlen rapide beschleunigen werden. „Die Talsohle scheint erreicht. Aber zweistellige Zuwachsraten gehören der Vergangenheit an“, sagte der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Klaus-Dieter Peters, heute in Hamburg. Im ersten Halbjahr 2009 war der Containerumschlag um 29 Prozent eingebrochen. Zu Boomzeiten 2008 hatte der Hafen noch gehofft, erstmals den Rekord von zehn Millionen umgeschlagenen Standardcontainern (TEU) zu knacken.

Der Verbanspräsident mahnte die Politik, die Krise für den Ausbau der Infrastruktur – von Elbvertiefung über Hafenquerspange bis Nord-Ostsee-Kanal – zu nutzen. Wenn Infrastrukturdefizite aufgearbeitet würden, werde Hamburg nach dem Anspringen der Weltkonjunktur wieder zu den Gewinnern des Welthandels zählen, meinte Peters. Er erwartet angesichts knapper öffentlicher Kassen auf Bundesebene schwierige Verteilungskämpfe bei der Zuweisung von Mitteln für Infrastrukturprojekte und verlangt, dass sich Politik und Verbände der Hansestadt in Berlin stärker für den Hafen einsetzen.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung müsse die Finanzierung für die seit Jahrzehnten geforderte Hafenquerspange zur Entlastung des innerstädtischen Straßenverkehrs sicherstellen. Der Ausbau des mittleren Freihafens dürfe nicht zu Kapazitätsüberhängen führen, mahnte Peters. Die Umschlagunternehmen hätten bereits heute Reserven, um mehr als 20 Millionen TEU umschlagen zu können.

Ein Sorgenkind der Hafenwirtschaft sind derzeit auch die Feederverkehre über die Ostsee nach Skandinavien und Osteuropa. Die Charterkosten für solche Zubringerschiffe, die um bis zu 80 Prozent abgesackt seien, ließen Transporte von Häfen wie Rotterdam oder Zeebrügge um die Nordspitze Dänemarks in den Ostseeraum wirtschaftlich werden, berichtete Peters, der Vorstandschef des Umschlagskonzerns HHLA ist. Eine halbe Million Container habe Hamburg in der Krise in diesen Diensten verloren, bleibe in der so genannten Nordrange (Häfen in Nordeuropa) aber vorn, sagte Peters. Von Hamburg aus fahren Feederschiffe durch den gebührenpflichtigen Nord-Ostsee-Kanal Richtung Ostsee.

Als falsche Entscheidung bezeichnete der Eurogate-Bevollmächtigte Gunther Bonz die Anhebung der Kanal-Gebühren, die aktuell zwei Drittel der Frachtraten aufzehren könnten. Er plädierte für einen zügigen Ausbau des Fahrwegs, damit auch größere Schiffe mit bis zu 9,50 Meter Tiefgang (300 Meter Länge, 32 Meter Breite) dort fahren können. „Der Ausbau der Elbe und des Nord-Ostsee-Kanals hängen zusammen“, sagte Bonz. Der Verband mahnte erneut, dass eine weitere Verzögerung der Elbvertiefung die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens im internationalen Vergleich verschlechtert. (dpa/sb)

 
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