11.03.2009 |

Mehdorn greift Bahn-Aufklärer an

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn wirft den mit der Aufklärung der Datenaffäre beauftragten Ex-Ministern Herta Däubler- Gmelin und Gerhart Baum laut einem Zeitungsbericht Befangenheit vor. Mehdorn habe Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller mitgeteilt, er zweifele an der Professionalität der beiden Rechtsanwälte, berichtet das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Däubler-Gmelin und Baum waren vom Aufsichtsrat mit der Aufklärung des Datenschutzskandals beauftragt worden, bei dem Hunderttausende von Mitarbeitern überprüft wurden. Die Bahn war am Dienstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das "Handelsblatt" schreibt, Mehdorn beschwere sich in dem achtseitigen Schreiben, das der Zeitung vorliegt, die ehemalige Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin und der ehemalige Bundesinnenminister Baum erweckten den Eindruck der Befangenheit und ließen sich offenbar von sachfremden Erwägungen leiten. Es stelle sich die Frage, ob die Voraussetzungen für eine unvoreingenommene und den Grundsätzen der Fairness und Objektivität entsprechende Untersuchung überhaupt erfüllt seien.

Baum wies die Vorwürfe von Mehdorn zurück. Diese Unterstellungen haben keine Grundlage, sagte er dem Handelsblatt auf Anfrage. Er kenne den Brief, könne aber nicht nachvollziehen, wie Mehdorn zu seinen Aussagen komme.

Zeitgleich mit Mehdorn verschärft Aufsichtsratschef Müller den Kurs gegenüber den politischen Aufklärungsbestrebungen. So wird Müller der Einladung des Verkehrsausschusses, am 18. März zum Thema Stellung zu nehmen, nicht folgen. Dies habe er dem Ausschuss mitgeteilt, bestätigte Müller dem «Handelsblatt». Schon die Befragung von Bahn-Chef Mehdorn vor dem Ausschuss am 4. März sei vor allem eine Inszenierung gewesen.

Müller wolle gemeinsam mit Mehdorn alle Ermittler auf klare Verhaltensregeln für die Zusammenarbeit verpflichten, schreibt die Zeitung weiter. Der Aufsichtsratschef habe den Compliance-Ausschuss für diesen Samstag nach Essen eingeladen. Nach Informationen des "Handelsblatts" sind mehr als 60 Anwälte und Wirtschaftsprüfer aus mindestens vier verschiedenen Büros an der Aufklärung des Bahn-Skandals beteiligt. Allein das Auftragsvolumen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG belaufe sich nach Angaben aus Bahn-Kreisen auf fünf Millionen Euro. (dpa)

 
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