12.03.2008 |

Lufthansa: Ehrgeizige Ziele

Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa blickt nach einem Rekordjahr optimistisch in die Zukunft und sieht sich auch für mögliche Krisen gut gerüstet. „Aus etwaigen Krisen und Turbulenzen würden wir relativ gestärkt hervorgehen. Wir sind wetterfest und beherrschen die Ausweichmanöver“, sagte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber heute bei der Bilanzvorlage.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa das Nettoergebnis auf fast 1,7 Milliarden Euro verdoppelt. Der Verkauf des Thomas-Cook-Anteils trug dabei gut eine halbe Milliarde Euro als Sondererlös bei. Das operative Ergebnis stieg um 63 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro.

Der Umsatz lag bei 22,4 Milliarden Euro und damit um 13 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dabei spielt auch die komplette Einberechnung der übernommenen Schweizer Fluglinie Swiss in die Konzernzahlen vom zweiten Halbjahr an eine Rolle.

Die Marke von einer Milliarde Euro beim operativen Gewinn konnte das Unternehmen damit schon ein Jahr früher als geplant erreichen. Neues Ziel des Managements ist nun, Lufthansa zum profitabelsten Netzwerk-Carrier Europas zu machen. Mit einer für Vergleichszwecke berechneten Gewinnmarge von 6,9 Prozent konnte Lufthansa 2007 nach eigener Einschätzung Air-France-KLM überflügeln, British Airways liege allerdings mit einer Marge rund 9,0 Prozent weiter vorne.

Für dieses Jahr erwartet der Konzern ein weiteres Plus beim operativen Gewinn, sofern die Treibstoffpreise wie in der Vergangenheit kompensiert werden könnten. Auch für 2009 werde ein Gewinn- und Umsatzplus angestrebt. Die Dividende soll 1,25 Euro betragen nach 0,70 Euro im Vorjahr. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im Jahresschnitt von rund 93.500 auf knapp 101.000.

Die Lufthansa sichert sich an den Terminmärkten zum Teil gegen plötzlich steigende Ölpreise ab, Ende Februar war so schon 83 Prozent des Jahresbedarfs 2008 gesichert. Zudem erhebt das Unternehmen auf die Tickets Treibstoffzuschläge. Im vergangenen Jahr musste Lufthansa 3,9 Milliarden Euro für Treibstoff zahlen, das waren rund 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dieses Jahr wird mit einer Treibstoffrechnung von knapp 5,0 Milliarden Euro gerechnet. Damit sind die Kerosinkosten im reinen Fluggeschäft inzwischen höher als die Personalkosten.

Auch die übernommene Swiss legte 2007 deutlich zu. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg auf 571 Millionen Franken (360 Millionen Euro), wie das Unternehmen in Zürich mitteilte. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr mit 231 Millionen Franken. Der Umsatz stieg um 17,9 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Ende 2007 beschäftigte die Airline 6022 Mitarbeiter, 700 mehr als ein Jahr zuvor.

Mayrhuber bekräftigte, dass sein Unternehmen grundsätzlich auch zu weiteren Fusionen bereit sei. Derzeit liege aber nichts auf dem Tisch, ergänzte er. Für die geplante Fusion des Lufthansa-Ablegers Germanwings mit TUIfly gebe es weitere Gespräche. Mayrhuber betonte, Lufthansa wolle in allen Marktsegmenten etwas anbieten und Germanwings solle den Billigflieger-Bereich abdecken. Zudem habe der Konzern schon Geld zurückgelegt um möglicherweise seinen Anteil an der britischen Fluglinie BMI von derzeit knapp 30 Prozent aufzustocken. Ende vergangenen Jahres hatte Lufthansa bereits 19 Prozent an der amerikanischen JetBlue erworben.

Kritik übte Mayrhuber an der stockenden Privatisierung der Deutschen Flugsicherung. Der Verkauf sei einer der Wege, um einen einheitlichen europäischen Luftraum zu schaffen. „Der gegenwärtige Flickenteppich ist weder gut für uns, noch für die Kunden und erst recht nicht für die Umwelt“, sagte Mayrhuber. Zu dem am Frankfurter Flughafen nach dem Ausbau geplanten weitgehenden Nachtflugverbot zeigte sich Mayrhuber zuversichtlich, dass das Limit von 17 Nachtflügen noch vom Gericht ausgedehnt werde. Lufthansa hatte gegen die Beschränkung eine Klage eingereicht. (dpa)

 
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