Mainz/Frankfurt. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat in der Debatte über Nachtflüge am Frankfurter Flughafen die Lufthansa kritisiert. Ihre Drohung, bei einem absoluten Nachtflugverbot könnten tausende Arbeitsplätze wegfallen, sei nicht hinzunehmen, sagte der Regierungschef am Donnerstag im Landtag in Mainz. "Ich glaube, das darf sich Deutschland auch nicht gefallen lassen." Die Lufthansa hatte vor einer Woche mitgeteilt, im Falle eines absoluten Nachtflugverbots werde sie ihre Frachterflotte am Frankfurter Flughafen aufgeben. Schrittweise würde mindestens jeder zweite der rund 4700 Arbeitsplätze bei Lufthansa Cargo wegfallen. Besonders betroffen wäre der Rhein-Main-Flughafen, wo auch viele Speditionen und Dienstleister vom Geschäft mit der Luftfracht abhängig sind. Der hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hatte vor zwei Wochen entschieden, dass die Nachtflüge nach dem Ausbau des Flughafens um eine vierte Piste aus Lärmschutzgründen massiv eingeschränkt oder ganz verboten werden müssen. Zuvor waren im Planfeststellungsverfahren 17 Flüge in der Kernnacht zwischen 23.00 und 5.00 Uhr erlaubt worden. Alle drei Fraktionen im rheinland-pfälzischen Landtag, also SPD, CDU und FDP, stellten sich am Donnerstag genauso wie die SPD-Landesregierung hinter das VGH-Urteil. Beck sagte indirekt erneut, er erwarte, dass die hessische CDU/FDP-Landesregierung keine Revision gegen das Urteil einlege. Abermals verwies der Ministerpräsident auch darauf, dass Nachtflüge von Frankfurt zum Hunsrück-Flughafen Hahn verlagert werden könnten. Dieser besitzt eine 24-Stunden-Genehmigung. Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) sagte, nicht umsonst sei Hessen an der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH beteiligt und das gemeinsame Flughafensystem von Frankfurt/Main und Hahn auf den Weg gebracht worden. Die Lufthansa hatte allerdings argumentiert, für sie sei es keine Alternative, mit den Nachtflügen auf den mehr als 100 Kilometer von Frankfurt entfernten Flughafen Hahn auszuweichen. Kein Spediteur würde für 18 Stunden am Tag in Frankfurt ein Frachtzentrum unterhalten und die übrigen 6 Stunden an einem zweiten Standort arbeiten. Vielmehr würden Frachtströme dann komplett verlagert. (dpa)
Kurt Beck kritisiert Lufthansa wegen Nachtflügen
Rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck ist sauer wegen der Gefährdung von Arbeitsplätzen im Speditionsgewerbe