Kritik an Sparplänen der ÖBB

06.10.2009 15:46 Uhr
ÖBB Güterzug
Statt per Güterzug will die ÖBB künftig vermehrt mit dem LKW transportieren lassen
© Foto: ÖBB

Das Vorhaben der österreichischen Güterbahn RCA 200.000 Tonnen Fracht von der Schiene auf die Straße zu verlagern sorgt für Entsetzen

Wien. Mehrere Millionen Euro sollen bei der ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria (RCA) eingespart werden. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat entsprechende Pläne ausgearbeitet um der österreichischen Bundesbahn zum Ziel zu verhelfen. Unter anderem ist geplant Stückgutlieferungen in der Steiermark von der Schiene auf die Straße zu verlagern. 200.000 Tonnen, also rund 14.000 Lastwagen pro Jahr sollen die Fracht ab Januar transportieren. Im Eisenbahnland Österreich sorgt diese Diskussion für Zündstoff. Die Opposition in der Alpenrepublik lässt ihren ganzen Unmut an der Arbeit der großen Koalition an diesem Thema aus. Als eine „absurde Idee, die an Stupidität kaum mehr zu übertreffen ist“, bezeichnete BZÖ-Verkehrssprecher Christoph Hagen die Pläne der ÖBB. „Die Straßen sind ohnehin schon extrem überlastet und da wollen die ÖBB allen Ernstes 14.000 LKW im Jahr auf die Reise schicken“, kritisiert Hagen. Die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser, bezeichnet das Vorhaben als das „i-Tüpfelchen auf einer sinnlosen Politik“. Für Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband bedeuten 20.000 zusätzliche LKW auf der Straße sogar „das Ende des Klimaschutzes in Österreich“. RCA betreibt 13 Logistikcenter im Stückgutbereich in ganz Österreich. Nur die zwei Standorte St. Michael und Graz-Werndorf seien von der Schließung betroffen, betont das Unternehmen. Die täglich zu transportierenden knapp 700 Tonnen Stückgut bedeuten hochgerechnet 0,25 Prozent der täglich durch die ÖBB-Tochter auf der Schiene transportierte Gesamttonnage, versucht der Staatskonzern die Wogen zu glätten. Die transportierte Menge ist nicht alles: In Kilometer umgerechnet zeigt die Verlagerung auf die Straße andere Dimensionen. Je nach Schätzung, gehen Bahnexperten von jährlich zwei bis zu vier Millionen Kilometer aus. Diese Menge errechnet sich aus den großen Entfernungen, welche die von der RCA beauftragten Frachtführer von den zwei Stückpunkten in der Steiermark zu den übrigen ÖBB-Logistikzentren zurücklegen müssten. Selbst im Wiener Verkehrsministerium löst der Plan der RCA, pro Jahr bis zu 20.000 LKW-Fahrten bei privaten Frachtführern einzukaufen, statt mit der Bahn zu fahren, Irritation aus. Die sozialdemokratische Verkehrsministerin Doris Bures betonte Anfang dieser Woche, hinsichtlich der geplanten LKW-Offensive der staatseigenen Bahn beim Stückgut sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. (sb)

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