10.03.2010 |

Krise wirft Frankreichs Häfen um Jahre zurück

Paris. 2009 war für die große Mehrheit der französischen Seehäfen ein schwarzes Jahr. Der weltweite Rückgang beim internationalen Warenaustausch hat sie zum Teil um mehrere Jahre zurückgeworfen und vormals gehegte Wachstumsszenarien zu Makulatur gemacht. Am schlimmsten traf die Krise den Bretagne-Hafen Saint-Brieuc-Le Légué, dessen ohnehin geringer Umschlag knapp 30 Prozent eingebüßt hat. Der Mittelmeerhafen Toulon verbuchte einen Rückgang um 26 Prozent auf eine Million Tonnen, gefolgt von Cherbourg an der normannischen Küste mit – 20,9 Prozent (2,2 Millionen Tonnen) und Saint-Malo mit einem Verlust von 16,2 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen. Von den größeren Häfen verzeichnete Dunkerque mit einem Minus von 22 Prozent auf 45,0 Millionen Tonnen den deutlichsten Rückgang, Marseille-Fos konnte den Rückgang auf 13 Prozent begrenzen und kam auf ein Volumen von 83,1 Millionen Tonnen.

Die Zahlen weisen die Masse der kleineren Seehäfen von Caen-Ouistreham im Norden bis hinunter nach Ajaccio auf Korsika als die größten Verlierer aus. Leicht bis relativ klar zulegen konnten lediglich Boulogne-sur-Mer (+ 48 Prozent auf 776.000 Tonnen), Bayonne im Südwesten mit 15,3 Prozent Wachstum auf 4,3 Millionen Tonnen, ferner die Häfen von Rouen, Nizza, Calais und Brest.

Klar ist aber auch, dass die derzeit noch in Staatsregie bewirtschafteten großen Häfen wie Marseille, Le Havre und Dunkerque proportional gesehen noch mehr an Frachtvolumen eingebüßt haben als die kleineren Standorte, die schon dezentralisiert betrieben werden. Trotz der zum Teil erheblichen Anstrengungen der letzten Jahre, dies zu ändern und dem Containerumschlag den Vorrang zu geben, sind die französischen Häfen in ihrer Gesamtheit überwiegend schüttgutlastig geblieben.

Als weiterer Schwächungsfaktor kommt der anscheinend unaufhaltsame Niedergang des ökonomisch-industriellen Gewebes im Hinterland hinzu. Ganze Regionen, insbesondere im Norden des Landes, sind inzwischen industriell so gut wie ganz ausgeblutet. Der zunehmend an die Stelle getretene Dienstleistungssektor kann die damit verbundenen Verluste für die Häfen nicht wettmachen. Mehrere von ihnen haben zuletzt so hoch wie nie zuvor insbesondere in Ausrüstung für den Containerumschlag und allgemein besseren Service investiert. Sie warten und hoffen nun auf das Ende der Wirtschaftskrise. Insgesamt aber zahlen Frankreichs Häfen sicher noch für Jahre den Preis für Jahrzehnte staatlichen Nichtstuns und permanenter Blockaden durch militanten Gruppenegoismus seitens der Hafengewerkschaften. (jb)

 
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