25.05.2009 |

Krise als Bewährungsprobe für Rösler

Hannover. Zeit zum Durchatmen bleibt Philipp Rösler kaum. Seit seinem Amtsantritt als niedersächsischer Verkehrs- und Wirtschaftsminister im Februar muss sich der 36 Jahre alte Shootingstar der FDP und Talkshow-Liebling als Krisenmanager beweisen. Die Zeiten sind härter geworden als noch unter seinem Vorgänger Walter Hirche, der im Februar den Generationenwechsel im Ministerium einläutete. Sorgenkinder hat Rösler angesichts der Wirtschaftskrise in den ersten hundert Tagen seines Amtes (29. Mai) schon reichlich. Continental und Karmann gehören dazu, aber auch die vor dem Aus stehende Transrapid-Versuchsanlage im Emsland will der selbstbewusste Politiker nicht aufgeben.

Der jüngste Verkehrsminister Deutschlands – ein scharfzüngiger Schnellredner – gilt nicht nur in der FDP als politisches Ausnahmetalent. Von der bundespolitischen Bühne hält er sich (noch) zurück. Beim FDP-Bundesparteitag in Hannover wurde er aber soeben mit hervorragenden 92 Prozent wieder ins Präsidium gewählt. Es war das drittbeste Ergebnis bei der Neuwahl der FDP-Führung überhaupt.

In Niedersachsen aber lastet auf ihm ein gehöriger Druck, wie er selber zugibt. Doch der Augenarzt scheint stets optimistisch und voller Tatendrang. Er gewinnt durch Charme, strahlt als Adoptivsohn aus Vietnam exotisches Flair aus. Für den noch wenig erfahrenen Krisenmanager, der vor seinem Ministeramt nicht gerade durch besondere Wirtschaftskompetenz auffiel, gilt die Devise: „Probleme sind da, damit man sie löst.“

In den Augen der Opposition ist der frühere Fraktionschef und jetzige Vize-Ministerpräsident jedoch konturenlos, als marktradikaler FDP-Mann für die Wirtschaftskrise auch mitverantwortlich. Der Verkehrsexperte der Grünen-Landtagsfraktion, Enno Hagenah, kritisiert, er habe kein eigenständiges Profil und bleibe deutlich mehr an der Oberfläche der Themen als sein Vorgänger. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Manfred Sohn, nennt Rösler gar „einen der Brandstifter, die jetzt vorgeben, Feuerwehrleute zu sein“.

Bei den Unternehmern dagegen scheint er gern gesehen zu sein. „Er wird nicht nur ernst genommen, sondern genießt Respekt, weil er einerseits nicht besserwisserisch auftritt, andererseits seine Position überzeugend vertritt“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Hannover, Wilfried Prewo. Die Unternehmerverbände Niedersachsen schätzen den engen Kontakt des Ministeriums zu den Firmen.

Wegbegleiter Röslers erzählen allerdings auch, dass der junge Minister manchmal unter der Last der Aktenberge stöhnt. „Er ist auch einen Tick ernster geworden“, heißt es. Der 36-Jährige, der sich durch große Disziplin auszeichnet, muss sich etwa um den Radwegebau, das Bahnnetz und die Häfen kümmern. Außerdem stehen Auslandsreisen an, die den Vater von kleinen Zwillingsmädchen von seiner Familie trennen.

„Ich will mich mit jedem Einzelfall intensiv und konkret beschäftigen“, sagt Rösler. Bei dem unter Druck stehenden Autozulieferer Conti kann er sich bereits erfolgreiches Taktieren zuschreiben. Er hatte Management und Betriebsrat an einen Tisch zurückgeholt, nun wurde eine Schonfrist vor einer endgültigen Schließung der LKW-Reifenproduktion in Hannover ausgehandelt. Rösler habe ein sehr gute Figur bei den Gesprächen gemacht, lobt ihn sein Chef, Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). (dpa)

 
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