Kartenspielen statt Losmachen - Binnenschiffer sitzen fest

13.01.2009 11:06 Uhr
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Eis auf der Elbe behindert die Binnenschifffahrt (Bild: ddp)
© Foto: ddp

Im Hamburger Hafen müssen sich derzeit rund 20 Binnenschiffer zwangsweise die Zeit vertreiben

Hamburg. Die Karten sind gemischt, der Fernseher läuft - und draußen treiben metergroße Eisschollen vorbei. Die Binnenschiffer Kevin Sühsmann und Martin Rühmeling machen das Beste aus ihrer Situation, während sie mit ihrem Schiff "Durban" im Hamburger Hafen festsitzen. Genau wie etwa 20 andere Binnenschiffe können sie nicht weiterfahren, weil viele Wasserwege wie die Elbe und der Elbeseitenkanal wegen Treibeis gesperrt sind, wie die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte am Montag mitteilte. Eigentlich wollten die beiden jungen Männer ihre Fahrt bereits am vergangenen Freitag fortsetzen, doch nun schaufeln sie in roten Latzhosen und dicken Mützen Eis von Deck, statt Aluminiumoxid auf- und abzuladen. "Das Eis im Hafen ist bis zu zehn Zentimeter dick", sagt Karin Lengenfelder von der Hamburg Port Authority (HPA). "Es wird im Moment eher schlimmer, als besser, weil es nachts immer noch friert", erklärt sie. In der Billwerder Bucht sei das Eis besonders dick, weil kaum Tide oder Schiffsverkehr das Wasser in Bewegung hielten. Am Freitag habe es sogar eine geschlossene Eisdecke gegeben, berichtet Lengenfelder. Sechs Eisbrecher fahren seitdem rund um die Uhr durch den Hafen,um die Fahrrinnen freizuhalten. Für die Binnenschiffer war der Liegeplatz in Hamburg-Billwerder in der vergangenen Woche die letzte Möglichkeit, sicher anzulegen. "Die anderen Wasserwege waren schon zu", sagt der 27-jährige Steuermann Martin Rühmeling. "Wären wir trotzdem gefahren, hätten wir riskiert, das Schiff zu beschädigen oder wären sogar steckengeblieben." Den wirtschaftlichen Schaden durch die Zwangspause schätzt Rühmeling auf bislang etwa 10.000 Euro. Liegen sie noch länger, könnten es mehrere zehntausend Euro werden, sagt er. Für den Steuermann und seinen 17 Jahre alten Schiffsjungen Kevin Sühsmann ist die Situation weniger schlimm, denn sie können weiterhin mit ihrem Lohn rechnen. Während der Liegezeit arbeiten die beiden vor allem an Maschinen und reinigen das Boot. "Wir achten darauf, dass wir nicht zu sehr einfrieren", sagt Rühmeling. Dazu zerkleinert er mit einer Axt regelmäßig das Eis rund um den Rumpf. Auch die Seitenteile des Kahns, das sogenannte Gangbord, muss mit Schaufeln freigeschippt werden. "Dem Schiff kann aber im Moment nicht viel passieren", erklärt Sühsmann. "Unter dem Eis schwappt nur Wasser rauf". Sobald die Flüsse und Kanäle wieder befahrbar sind, soll es Richtung Neuss in Nordrhein-Westfalen gehen, wo die tonnenschwere Fracht wieder abgeladen wird. (dpa)

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