Iveco-Chef Monferino: Euro 6 aufschieben

24.11.2009 13:45 Uhr
Paolo Monferino
Iveco-Vorstandschef Paolo Monferino fordert mehr Zeit zur Umsetzung der Euro-6-Norm
© Foto: Iveco

Knapp bei Kasse in der Krise: Entwicklung der Euro-6-Norm für LKW kostet Nutzfahrzeugherstellern insgesamt sieben Milliarden Euro

Balocco. Bei einer Pressekonferenz im italienischen Balocco hat der Vorstandsvorsitzende von Iveco, Paolo Monferino, einen Aufschub bei der Umsetzung der Euro-6-Norm für LKW gefordert. Der Iveco-Chef berichtete von einem Treffen mit EU-Politikern in Brüssel, bei dem die Nutzfahrzeughersteller wohl ziemlich einheitlich für eine spätere Einführung der nächsten Abgashürde plädiert hätten. Er bezifferte die Entwicklungskosten auf sieben Milliarden Euro für alle Hersteller. Das sei Geld, das viele Hersteller in der heftigen Krise des Augenblicks nicht für die Neuentwicklung der extrem aufwändigen Abgastechnik hätten. Der Aufwand sei auch deshalb so groß, weil für Euro 6 zum Großteil die Kabinenstruktur verändert werden müsse, um genügend Platz für die Abgaskühlung zu schaffen. Diese Kosten stünden im übrigen in keinem Verhältnis zur marginalen Einsparung bei den Emissionen gegenüber Euro 5 oder EEV. Zumal nach Erkenntnissen der VerkehrsRundschau noch nicht ausgemacht ist, ob Euro 6 tatsächlich ohne Verbrauchsnachteile umgesetzt werden kann, sprich nicht im Umkehrschluss die CO2-Emissionen steigen. Gerüchteweise ist sogar von zwei bis drei Prozent Mehrverbrauch die Rede. Auch das Fahrzeuggewicht wird wohl um 200 bis 300 Kilo zulegen. Monferino wies auch darauf hin, dass die Kunden im Moment die deutlich höheren Kosten der Euro-6-Technik nur schwer akzeptieren würden. Laut Monferino würde man für die Umwelt einen deutlich größeren Effekt erzielen, zu versuchen, die zahlreichen Euro-1- und Euro-2-LKW von den Straßen zu bekommen. Er betonte, dass die Industrie und Iveco zu Euro 6 stünde und keinesfalls die Norm kippen wolle. Die Norm käme nur zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Aus Brüssel habe man als Antwort nur erhalten, dass die Argumente der Industrie diskutiert und geprüft würden. (jr)

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