22.06.2010 | Transport + Logistik

Iveco blickt nach Osten

Turin. Der Fokus hat sich verschoben: Europa findet kaum noch Beachtung bei Iveco-Chef Paolo Monferino, obwohl er im Laufe der nächsten Jahre mit allmählicher Erholung des Marktes rechnet. Stattdessen widmete sich Monferino zuletzt bei der Vorstellung des Entwicklungsplans seines Konzerns bis 2014 stark den Kooperationen, die Iveco in China bereits hat und den dortigen unglaublichen Wachstumsraten. „Wegen der Krise haben wir 2009 erstmals mehr Fahrzeuge in China verkauft, als in Europa", skizziert Monferino das „El Dorado" im fernen Osten. „Wir haben nur zwei Möglichkeiten, zu überleben", formuliert er pointiert: „Wir müssen die Technik weiterentwickeln. Und wir müssen alle ein bisschen chinesisch werden".

Die komplexe Entwicklung vor allem der Motortechnik will er dabei in Europa und fest in der eigenen Hand behalten, Fertigung der Hardware, da hat der Iveco-Mann weniger Berührungsängste. Impulsgeber des technischen Fortschritts wird nach seiner Ansicht noch eine Weile Europa bleiben. Und so sieht der Iveco-Plan bis 2014 einige Neuvorstellungen vor. Allen voran erhält der Stralis 2012 ein weiteres, intensives Facelift samt Euro 6. Wobei zu diesem Zeitpunkt Verbrauchsneutralität der neuen, teuren Technik angestrebt wird. 2014 folgt dann der komplett neue Stralis, der gegenüber Euro 5 sogar etwas weniger verbrauchen soll. Dazwischen schiebt sich 2013 ein komplett neuer Daily in Euro 6, wie der Stralis erhält auch der Eurocargo 2012 eine intensivere Modellpflege mit Euro-6-Motoren.

Und wenn sich die Chinesen am Ende Iveco einverleiben? Ja, dann soll es halt so sein, zuckt Monferino mit den Schultern. „Im Moment kann alles passieren", meint Firmensprecher Marco Monticelli. Durchaus auch, dass die chinesischen Partner Gefallen finden an einem größeren Aktienpaket der zum Beginn 2011 an die Börse strebenden Fiat-Industrial-Sparte aus Case New Holland, Iveco und Industrial&Marine.

In diesem Nutzfahrzeug- respektive Antriebsverbund hofft Monferino künftig energischer zu entwickeln und schlagkräftiger am Weltmarkt agieren zu können, als im wohl eher etwas schwerfälligen Konglomerat der jetzigen Fiat-Gruppe, bei der die PKW im Zweifel Priorität genossen. Doch ein letztes Mal soll man der Fiat-Mutter einen Dienst erweisen und möglichst viel Geld an der Börse erlösen, um Fiats hochfliegende PKW-Pläne mit Chrysler Wirklichkeit werden zu lassen. Etwas böswilliger könnte man auch sagen, Fiat verscherbelt seine Kronjuwelen – auch wenn das Juwel weiter den Namen Fiat trägt. Wie auch immer: Ob die neue Firmenkonstruktion für den Kunden irgendwie relevant wird, ist ohnehin schwer zu sagen. (jr) 

 
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