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01.12.2016Transport + Logistik │ Ausland

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premiumIRU: Seidenstraße ist Chance für den Lkw

Das von China vorangetriebene Projekt Seidenstraße ist laut der International Transport Union eine Chance für den Lkw-Verkehr zwischen Asien und Europa.
Seidenstraße

Dank ihrer Flexibilität seien Lkw laut IRU am besten geeignet, das wirtschaftliche Potenzial der Länder entlang der Seidenstraße am besten zu fördern

Foto: Ferdy De Martin

Brüssel. Die Internationale Road Transport Union (IRU) sieht in der von China geplanten Seidenstraßen-Initiative („one belt, one road“) eine Chance für den Straßengüterverkehr. Der Warentransport per Lkw biete die besten Voraussetzungen zur Verwirklichung der Idee, den Jahrtausende alten Handelsweg über Land zwischen China und Europa als eine schnellere Transportalternative zum Seeweg neu zu beleben.

„Lkw sind flexibler als Züge, können tief in neue Märkte vordringen und damit das wirtschaftliche Potenzial aller an dem Projekt beteiligten Länder am besten fördern“, sagte IRU-Generalsekretär Umberto de Pretto auf der 5. IRU/EU-Konferenz zum Straßengütertransport am Mittwoch in Brüssel. Die Konferenz beschäftigte sich mit den Konsequenzen, die der Aufbau der Seidenstraße für Europa haben werde.

China werde im Januar 2017 der TIR-Konvention beitreten und habe IRU um Unterstützung bei weiteren Angleichungen seiner Vorschriften für den Straßengütertransport an internationale und EU-Standards gebeten, berichtete de Pretto. Dadurch würden zurzeit bestehende rechtliche Hindernisse für den Warentransport per Straße beseitigt. 

Seidenstraßen als Wirtschafts- und Handelsraum sehen

Ein anderes Hindernis sei die unzureichende Infrastruktur. Das gelte besonders für die Länder Zentralasiens, durch die die Seidenstraße auf dem Landweg verlaufen soll. Sie besäßen allerdings ein großes Potenzial, gerade als neue, preiswerte Produktionsstätten. „Wir dürfen die Seidenstraße nicht nur als eine Verbindung zwischen China und Europa sehen, sondern als gesamten Wirtschafts- und Handelsraum“, sagte de Pretto.

Skeptischer sahen EU-Vertreter die chinesischen Pläne. Für Europa habe zunächst die Vollendung des TEN-V-Netzes bis 2030 Vorrang, sagte der stellvertretende Leiter der Generaldirektion Mobilität und Verkehr (Move) der EU-Kommission, Matthew Baldwin. Darüber hinaus sei man aber immer froh, über Projekte mit Nachbarn und deren Nachbarn zu sprechen.

Die vor kurzem mit China gegründete Plattform zur Seidenstraße biete die Möglichkeit, sich über Details auszutauschen. Dabei habe die EU vier Prioritäten: Alle beteiligten Länder sollten von der Seidenstraße profitieren; sie müsse offen für alle Unternehmen sein; die Nachhaltigkeit besonders in Hinsicht auf die Umweltverträglichkeit müsse gewährleistet sein; die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen müssten stimmen.

Seidenstraße dürfe nicht zur Einbahnstraße werden

Michael Cramer (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Europaparlament, wies darauf hin, dass die Seidenstraße nicht zu einer Einbahnstraße für chinesische Güter nach Europa werden dürfe. Lkw und Züge, die voll beladen nach Europa fahren und fast leer zurück, könnten aus europäischer Sicht nicht das Ziel sein. „Es muss einen fairen Wettbewerb geben“, sagte Cramer. Dabei spiele auch die Einhaltung des europäischen Rechts eine Rolle.

Im Gegensatz zu de Pretto sehen Cramer und Baldwin die Seidenstraße nicht als Projekt, von dem vorrangig der Straßengüterverkehr profitieren soll. „Die Straße ist nicht die Lösung, wenn wir unsere umweltpolitischen Ziele erreichen wollen“, sagte Baldwin. Zurzeit werden laut de Pretto rund 99 Prozent der Güter zwischen China und der EU auf dem Seeweg transportiert. Durch die Seidenstraße könnten bis zu fünf Prozent davon auf den Landverkehr verlagert werden. Erste Güterzugverbindungen zwischen China und Europa gibt es bereits. (kw)

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