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17.10.2016Transport + Logistik | Inland

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premiumInterview: Verschläft die Branche Transport 4.0?

Christiane Gundelfinger, stellvertretende Leiterin der Gruppe Optimierung der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services, erklärt im Interview, wie gut Transport- und Logistikunternehmen für den digitalen Wandel gerüstet sind.
Christine Gundelfinger

Christine Gundelfinger stand der VerkehrsRundschau Rede und Antwort zum Thema Transportlogistik 4.0

Foto: Fraunhofer ILS/Valentin Schilling

Die Nürnberger Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS hat die wichtigsten Technologien und Anwendungen rund um Industrie 4.0-Anwendungen im Rahmen von Experteninterviews identifiziert und Transport- und Logistikdienstleister zu ihrem individuellen Umsetzungsgrad von Transportlogistik 4.0. befragt. Die Kernergebnisse für das Segment der Logistikdienstleister liegen der VerkehrsRundschau exklusiv vor. Im Interview mit der VerkehrsRundschau erklärt Christiane Gundelfinger, stellvertretende Leiterin der Gruppe Optimierung der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services, wie gut Transport- und Logistikunternehmen für den digitalen Wandel gerüstet sind.

Verkehrsrundschau:Das Schlagwort Digitalisierung ist in aller Munde. Doch wie gut sind laut Ihrer neuen  Studie Transport- und Logistikdienstleister für den Digitalen Wandel gerüstet?

Christine Gundelfinger: Bevor ich darauf antworte, will ich kurz auf den Hintergrund unserer Studie eingehen.  Ziel war es, das Thema  „Transportlogistik 4.0“ mit Leben zu füllen. Denn es gibt zwar dazu viele schöne Schlagworte, aber aus Sicht der Dienstleister nur wenig Konkretes. Wir haben also zunächst die wichtigsten Technologien und Anwendungen rund um Industrie-4.0-Anwendungen identifiziert und deren Umsetzungsgrad abgefragt. Dabei zeigte sich, dass dieses Thema die Firmen umtreibt. Doch mit der Umsetzung hakt es – gerade in den kleineren Betrieben. Da geht die Schere zwischen kleinen und großen Dienstleistern weit auf.

Was hemmt die Umsetzung?

Der in der Branche vorherrschende Kosten- und Margendruck spielt eine ganz wichtige Rolle. Die Antworten zeigen, dass in den Firmen eine große Unsicherheit besteht, welche Technik die erwartete Kostensenkung bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung der Prozessabläufe gewährleisten kann. Diese Tatsache in Verbindung mit den begrenzten Budgets für Forschung ist wohl die größte Hürde. Hier herrscht echter Handlungsbedarf, wenn die Branche nicht den Anschluss an andere Branchen wie die Automobilindustrie und den Handel verlieren will und langfristig wettbewerbsfähig bleiben will. Es gibt aber auch Themen, in denen die Firmen relativ weit mit der Umsetzung sind.

Welche Themen stehen da ganz oben?

44 Prozent der befragten Firmen gaben an, sich mit dem Thema „Big Data“ aktiv zu beschäftigen. 55 Prozent planen im Bereich „Predictive Analytics“, also der Möglichkeit, Vorhersagen zu treffen, in den nächsten fünf Jahren konkrete Investitionen. Hier liegt in der Tat großes Potenzial für Logistikdienstleister. Denn in der Logistik fließen sehr viele Informationen aus unterschiedlichsten Kanälen zusammen. Gelingt es einer Firma, diese Informationen auch als Dienstleistung zu verwerten und mehrwertbringende Informationsbündel zu bieten, kann das interessante neue Geschäftsmodelle eröffnen. Zudem helfen die steigenden digital vorliegenden Daten den Betrieben auf ihrem Weg zur „papierlosen Spedition“.

An welchen Lösungen arbeiten die Firmen denn?

Bekannte B2C-Konzepte, die man aus der Privatkunden-Belieferung kennt, werden nun sukzessive auch im Geschäftskunden-Segment umgesetzt. Konkret investieren zum Beispiel 56 Prozent der Firmen in die automatisierte Echtzeit-Benachrichtigung von Empfängern und 44 Prozent in die Flexibilisierung der Zustellung nach Ort und Zeit. Obwohl viele Speditionen in Kooperationen tätig sind, betreiben aktuell nur 44 Prozent kollaborative Transportplanungen und einen Ausbau in den nächsten fünf Jahren planen 11 Prozent. Auch in führerlose Transportsysteme zur Be- und Entladung investieren nur 33 Prozent der Betriebe. Da fehlt den Speditionen offenbar noch das letzte Quäntchen Mut für Pilotprojekte.

Welches Ergebnis in Ihrer Studie hat Sie schlussendlich am meisten überrascht?

Überrascht hat, dass die Firmen trotz aller bekannten Vorteile von RFID auch künftig auf die Barcode-Technologie setzen wollen, um Packstücke oder Transportmittel identifizieren zu können. Allerdings wird hier erwartet, dass das Thema Mobile Computing an Bedeutung gewinnen wird und somit auch die Vielfalt der Identifikationstechnologien steigt.

Das Interview führte VerkehrsRundschau-Redakteurin Eva Hassa.

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