Interview

Klaus-Peter Jung steht Rede und Antwort.

Dr. Klaus-Peter Jung, Leiter des Bereichs Logistik-Dienstleister/KEP bei der Miebach Logistik GmbH in Frankfurt, spricht über Erfolgsstrategien für die Transportwirtschaft.

VerkehrsRundschau: Was sind für kleine und mittlere Logistikdienstleister derzeit die größten Herausforderungen?
Jung: Die Kunden verlangen heute höhere Flexibilität und umfassende Serviceangebote – und zwar zu wettbewerbsfähigen Kosten bei reduzierten Durchlaufzeiten, aber mit hoher Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Transparenz. Die IT-Kompetenz wird zu einem immer wichtigeren Erfolgsfaktor, die Kunden wollen aktive Informationen – und auch mal eine laufende Sendung umrouten. Im Stückgutbereich werden sich wenige große Netze durchsetzen. In den nächsten Jahren werden sich ein oder zwei deutsche Stückgutnetze vom Markt verabschieden. Dafür gewinnen europäische Netze an Bedeutung.

Welche Strategien muss ein mittelständischer Logistikdienstleister vor diesem Hintergrund haben?
Grundsätzlich sollte heute jeder Transportdienstleister bewusst auswählen und entscheiden, welche Aufträge er annimmt und welche nicht. Alles zu bieten wollen, ist eine strategische Falle. Und wer sich auf eine Nische konzentriert, muss in ganz besonderem Maße in die Tiefe gehen und sich intensiv auf die aktuellen und künftigen Bedürfnisse der Kunden einstellen. Eines ist jedoch sicher: Ledigliech den Marktpreis zu unterbieten, um an Aufträge zu kommen, ist keine Strategie.

Hat der Einzelne wirklich Chancen, das Preisniveau zu heben?
Richtig ist, dass gerade klassische Subunternehmer, die ausschließlich von Großspeditionen oder Speditionskooperationen beauftragt werden, relativ beschränkte strategische Spielräume haben. Die Frage ist also, wie er seine Leistungen möglichst kostengünstig erbringen kann. Die wichtigsten Stellhebel bilden die Auslastung der Fahrzeuge und die Personalkosten. Die meisten kleinen Unternehmen können allerdings kaum mehr sparen, viele sind schon auf der Ebene der Selbstausbeutung. Angesichts hoher Fixkosten ist es auch nicht so leicht, Fahrzeuge stillzulegen, da die Fixkosten dann ja auf wenige Fahrzeuge verteilt werden, also pro Fahrzeug noch höher ausfallen.

Wie können diese Transportunternehmen ihre Position verbessern?
Sie sollten darauf achten, die Beziehungen zu ihren Auftraggebern zu verbessern: Qualität und Zuverlässigkeit zählen gerade jetzt, wo es teilweise Engpässe bei den Transportkapazitäten gibt. Dafür bekommen sie zwar nicht unbedingt mehr bezahlt, aber im Zweifel werden gute Partner nicht nur bei der Auftragsvergabe bevorzugt.

Und die Transporteure, die direkt für Industrie- und Handelsunternehmen arbeiten?
Sie sollten sich entweder auf eine Nische konzentrieren oder auf ihre regionale Präsenz setzen und sich in ihrem Gebiet möglichst intensiv in der Geschäftswelt vernetzen und verankern. Neben der Qualität und dem Leistungsspektrum ist der Kontakt zu den Kunden besonders wichtig. Dabei ist auch der Chef persönlich gefragt, der sich in Unternehmernetzwerken und regionalen Gremien engagieren sollte.

 



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