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Wie ein Boxer, der gefährlich durch den Ring taumelt

Dienstag, den 11. August 2009

Das hört sich doch gut an: Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im Juni 2009 um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Und im Export steht für den gleichen Zeitraum sogar ein Plus von 7 Prozent zu Buche. Prompt reagieren die Marktexperten und sagen für das dritte Quartal 2009 bereits wieder ein Wachstum für Deutschlands Unternehmen voraus (plus 0,8 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt laut Commerzbank).

Zweifelsohne, das sind positive Signale, auf die die Wirtschaft lange und sehnsüchtig gewartet hat. Sie machen auch Mut, dass die Betriebe die Talsohle vielleicht noch nicht durchschritten, aber zumindest erreicht haben. Und mit Sicherheit werden auch die Transportdienstleister von diesen Impulsen profitieren. Doch Entwarnung kann deshalb noch lange nicht gegeben werden.

Zum einen gibt es dazu immer noch zu viele negative Meldungen. Zum anderen hat die Rezession dem Transportgewerbe einen derart schweren Schlag versetzt, dass die Branche immer noch wie ein angeschlagener Boxer durch den Ring taumelt. Dies sieht auch das Inkassounternehmen Creditreform so, wenn es in seinem neuen Bericht schreibt: „Der Verkehrs- und Logistiksektor ist am schwersten von der Rezession betroffen.“

Aufhorchen lassen in dem Bericht vor allem die Aussagen zur finanziellen Situation im Transportgewerbe. In keiner anderen Branche ist laut Creditreform die Zahlungsmoral so schlecht wie im Verkehrs- und Logistiksektor, in keiner anderen Branche ist die Insolvenzgefahr so groß. Das lässt sich damit erklären, dass die Betriebe in der Vergangenheit enorme Kostensteigerungen zu verzeichnen hatten (Erhöhung der LKW-Maut, Verkürzung der Fahrerarbeitszeiten) und diese nicht weiterreichen konnten.

Viele Transportdienstleister konnten sich in der Vergangenheit nicht nur nicht genügend Fett anfressen, sie waren auch nicht gut genug trainiert, um im Wettkampf zu bestehen. Es gibt immer noch eine Reihe von Firmen, die das Einmaleins der Kostenrechnung, der Betriebsführung nicht beherrschen und zu Preisen fahren, die am Ende nur in den Ruin führen können.

Daher kann man vor allem den angeschlagenen Betrieben nur raten, trotz der positiven Signale äußerst vorsichtig zu agieren. Jetzt die Kapazitäten aufzustocken, um vermeintlich die schnelle Mark (sprich: Euro) zu machen, könnte sich rächen. Denn das ist eine Binsenweisheit im Boxsport: Wer einmal k.o. war oder kurz davor stand, sollte sich – bevor er wieder angreift – eine lange Erholungsphase gönnen. Die haben viele im deutschen Transportgewerbe bitter nötig.