Klimaschutz und Kosten
Das Jahr fängt ja gut an: Kaum waren die Rauchschwaden der Sylvesterknallerei entschwunden, kletterte der Ölpreis erstmals über die 100 Dollar-Marke pro Barrel. Die Debatte um die steigenden Rohölpreise sollte jedoch nicht verschleiern, dass von ganz anderer Seite neue Belastungen drohen, die die Bilanz der Transportdienstleister empfindlich treffen könnten. Gemeint sind hier – ausnahmsweise – nicht die steigenden Personalkosten oder neue Mauterhöhungsrunden. Es geht um den Klimawandel und den CO2-Ausstoß. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Deutschland zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz ausgerufen. Dazu gehört eine drastische Minderung der Treibhausgase.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Ausstoß der Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Da passt es überhaupt nicht ins Bild, dass die CO2-Emissionen des LKW-Verkehrs bis 2025 um 19 Prozent steigen sollen. Diese Zahl ist einer Prognose zu entnehmen, die das Bundesverkehrsministerium gerade zu Jahresbeginn veröffentlicht hat. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Angela Merkel dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen wird. Die Bundesregierung wird alle Hebel in Bewegung setzen, damit die Vorhersage aus dem Verkehrsministerium nicht eintreffen wird.
Neue Stolpersteine in Form von Auflagen, Ge- oder Verboten oder höheren Steuern oder Mautgebühren wären denkbare Instrumentarien, um den CO2-Ausstoß im Straßengüterverkehr einzudämmen. Es werden also neue Belastungen auf die Fuhrunternehmen zukommen. Für die bedeutet dies zum einen, die Verlader rechtzeitig darauf hinzuweisen. Denn wie eine Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) zeigt, sehen auch die Verlader einen Handlungsbedarf zur Verringerung der CO2-Emissionen im Güterverkehr.
Der Pferdefuß jedoch: Die meisten von ihnen sind nicht bereit, sich an den mit dem Umweltschutz verbundenen Kosten entsprechend zu beteiligen. Die zweite Konsequenz für das Transportgewerbe: Es wird der Unternehmer im Vorteil sein, dem es gelingt, seine CO2-Emissionen im Zaum zu halten. Denn vor allem in der Industrie stellen immer mehr Betriebe CO2-Bilanzen auf mit dem Ziel, die Emissionen zu verringern. Wer als Transportdienstleister seinem Auftraggeber dabei behilflich sein kann, verschafft sich hier gegenüber der Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil, der vielleicht noch nicht jetzt, aber zukünftig honoriert wird.
Doch eines ist auch sicher: Die Verringerung der CO2-Emissionen ist kein Kinderspiel. Vorschläge dazu sind jederzeit willkommen.

Am 17. Januar 2008 um 14:13 Uhr
Verlader fordern CO2-Minderung
“Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”.
Das Ergebnis Ihrer Befragung zu Meinung der Verlader
nach einer CO2-Minderung der durch sie veranlassten Transporte
ist eigentlich wertlos.
Andere können sich ja dafür einsetzen, dagegen haben wir nichts,
jedoch Mehrkosten zu tragen oder eigene Ideen einzubringen kommt
überhaupt nicht in Frage.
Interessant ist auch, dass die CO2-sparenden Transportmittel wie Bahn und
Schiff überhaupt nicht erwähnt werden, beziehungsweise von der VR überhaupt
nicht gefragt wurden.
Am 17. Januar 2008 um 14:58 Uhr
Sehr geehrte(r) “Minimix”,
der Ausspruch “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass” liegt in der Tat nahe angesichts der Aussagen der Verlader, mehr Umweltschutz einzufordern, dafür aber nicht mehr zahlen zu wollen. Umweltschutz zum Nulltarif: Das ist eine Formel, die in der Regel nicht aufgeht.
Dennoch sind die Ergebnisse der Befragung (die keine (!!) Befragung der VerkehrsRundschau ist, sondern – wie auch geschrieben – vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik herausgegeben wird) durchaus nicht wertlos. Zeigen sie doch immerhin, dass es bei den Verladern die Einsicht gibt, dass in Sachen CO2-Minderung etwas passieren muss. Es hätte ja auch sein können, dass die Verlader überhaupt keine Notwendigkeit sehen für Maßnahmen zum Klimaschutz. Dann wären Preiszugeständnisse sicher noch schwerer durchsetzbar gewesen.
Und ich darf in Erinnerung rufen: Auch an den Kosten der LKW-Maut wollten sich die Verladern anfangs partout nicht beteiligen. Doch die Hinweise der Fuhrunternehmen in den Preisgesprächen, die Öffentlichkeitsarbeit der Verbände und vielleicht auch die Berichterstattung in den Medien hat dazu geführt, dass doch ein Großteil der LKW-Maut von den Auftraggebern übernommen wurde.
Das CO2-sparende Transportmittel Bahn wird im übrigen in der Studie schon erwähnt und auch abgefragt. An dieser Stelle haben wir darüber jedoch nicht berichtet (wer mehr lesen will, findet einen ausführlichen Beitrag in der VerkehrsRundschau Nr 3/2008). Nur soviel: Die Studie stellt fest, dass die Bahn als Transportmittel aus unterschiedlichen Gründen (u.a. das Fehlen eines Gleisanschlusses, zu geringes Aufkommen) bei 70 Prozent der Befragten gar keine Rolle spielt, mithin als CO2-sparendes Transportmittel – zumindest derzeit – nicht in Frage kommt.
Michael Cordes
Am 17. Januar 2008 um 18:34 Uhr
Kurz zu meiner person: Sprecher AKTION PROMOBIL/Baden-Wuertemberg, Lehrbeauftragter u.Ehrenbuerger der Hochschule Heilbronn, Logistik-Chef a.D. ALCATEL-SEL AG.
Es ist Heuchelei und unglaubwuerdig, wenn Verladervertreter einerseits bekunden, sie seien engagiert dafuer, dass ihre Dienstleister den CO-2 – Ausstoss im Guterverkehr verringern und die entsprechenden Ergebnisse gern in ihre eigene CO-2-Bilanz aufnehmen wollen, andererseits aber keinerlei Kostenbeitrag akzeptieren moechten. Das ist schlichtweg unserioes, denn in den eigenen Unternehmen weiss man ganz genau, was CO-2-Minderungsmassnahmen und -Investitionen kosten und ist bestrebt, diese anderweitig zu ueberwaelzen sei es in Preisen an die Kunden oder/und in Arbeitskostensenkung bei der Belegschaft. Allerdings ist man in schlechter Gesellschaft, denn Landes- wie Bundespolitiker und -regierer mindern weder ihre Reisekilometer noch den Hubraum ihrer Fahrzeuge und wechseln auch kaum ihr jeweils liebgewordenes Transportmedium sondern erhoehen forsch Diaeten um das Mehrfache des Oelpreisanstiegs.
Es wird seitens der Befuerworter und Verordner der CO-2-Katharsis stets Wasser fuer alle anderen gepredigt und selber weiter Wein getrunken.
Am 7. Februar 2008 um 18:59 Uhr
Fakt ist, dass das Transportvolumen bzw. Strukur des Straßengüterverkehr angesichts der prognostizierten Entwicklungen nicht nenneswert entlastend auf andere Verkehrsträger verlagert werden kann.
Das wissen auch die Politiker und haben damit die ideale Melkkuh gefunden.
Die anderen “beliebten” Eigenschaften, CO 2 Emmittent und Autobahnverstopfer machen es Politikern oder der Presse leicht, Emotionen gegen den LKW zu schüren und damit die notwendige “Rückendeckung” für Ihre Maßnahmen zu erhalten.
Da der Rubel sowie so rollt, spielt es auch keine Rolle, wenn ausländische Unternehmen, die Deutschen immer stärker verdrängen.
Erbärmlich ist leider nur, dass nach Meinung von Fachleuten diese Abgaben nicht zu einer entsprechenden Reduktion der CO 2 Emmission führen wird.
Wenn schon richtig eine Bilanz ermittelt werden soll, dann müssten auch die Neuemissionen dazugehöhren, die durch die zusätzliche Produktion und den evtl. vorzeitigen Ersatz des LKW dazugerechnet werden. Dies dürfte dann aber die vermeintlich positive Bilanz erheblich ins Minus drücken.
Vielleicht tröstet es ja manche, dass man durch die staatliche Abzocke immerhin zur Haushaltssanierung beigetragen hat.
Am 1. März 2008 um 18:29 Uhr
Es geht doch nicht wirklich um CO2…. es geht um das wesentliche…
Hatte nicht vor einiger zeit mal ein bekannter Politiker gesagt ….: wir müssen alle den Gürtel enger schnallen, und unseren beitrag schmerzlich zutun zur sanierung des staates”!!! (Hol mir mal ne Flasche Bier) Die haben die diäten auch nur um 50% erhöht. (gott sei dank) hätten 100 seien können… wir (fast) alle sind seit dem Jahr für jahr schmerzich am zutun.(200 mio Überschuss im Haushalt….. )
Alle betriebe sind am sparen und suchen nach immer neuen möglichkeiten…
Der Hersteller muss versuchen günstiger zu sein als die mitbewerber um seinen betrieb zu halten…. er muss Sparen und evtl entlassen.
Der Transportunternehmer soll möglichst Geld mitbringen wenn er das Hergestellte Transportieren will… Wenn er was anliefern will muss er warten bis das Material gebraucht wird, was auch mal einen tag dauern kann.
Dieser tag ist dann ausgefallen für den Unternehmer,der Lkw hat dann einen Tag keinen Diesel verbraucht (ist das nicht auch co2 einsparung ? ) der Staat hat ausfall der mineralölsteuern und das ist dann doch eine erhöhung der maut wert…
Der Unternehmer macht aber keinen umsatz und auf dauer muss er einen Mitarbeiter entlassen… erst einen… wenn er Pech hat muss er Konkurs anmelden und es sind dann viele Arbeitslos… Der Staat hat keine Steuereinahmen mehr für die Arbeitnehmer , im gegenteil er muss Hartz irgendwas zahlen… Es muss wieder etwas(ausser diäten) eingespart oder teurer gemacht werden.
Ein Kreislauf der nicht aufzuhalten ist…. Oder ????
Am 18. März 2008 um 23:08 Uhr
Dass Klimaschutz nicht zum Nulltarif zu haben ist, dürften alle verstanden haben. Wa mich in diesem Zusammenhang mehr umtreibt, ist die Frage, warum immer noch so wenige lateral und kaum kreativ in Richtung intelligente Vernetzung der Verkehrsträger denken, was nachweislich viel CO2 einsparen würde. So werden immer noch Totschlägerargumente selbst von vermeintlichen Verkehrsexperten wie “Die Bahn hat keine Kapazitäten mehr”; “Das Binnnenschiff ist zu langsam” mit Ernsthaftigkeit pauschal vertreten, obwohl die Verkehrspraxis schon zum
Teil das Gegenteil beweist – sogar auf Kurzstecken. Ich wage eine Prognose: Wer als größerer Verlader oder größerer Transporteur mittelfristig nicht vernetzt denkt und einseitig auf den LKW setzt, wird bis zum Jahr 2015/2020 wohl aus dem Markt ausscheiden.
Warum? Die Entwicklung des Ölpreises wird in den nächsten Jahren für mehr Diskussionen als das Klima sorgen. Viele halten den gegenwärtigen Ölpreis für ein kurzfristiges Phänomen. Wer diskutiert ernsthaft in den Chefetagen ein Szenario von $ 250 oder gar $ 500 pro Barrel? – Die Entwicklung des Ölpreises wird mit kleinen Unterbrechnungen nur eine Richtung kennen: nach oben, da das abnehmende Angbot auf eine steigende Nachfrage treffen wird. Weil wir auch noch etwas essen müssen, wird Biokraftstoff nur begrenzt zur Verfügung stehen. So werden wir irgendwann zwangsweise CO2 einsparen.
Am 19. März 2008 um 09:35 Uhr
Wer kennt seine Transportkosten RICHTIG ?
Um wirklich wirtschaftlich Transporte durchführen zu können ist eine genaue Kenntnis der Kosten erforderlich. Dabei ist eine klare Trennung zwischen km-Kosten (entstehen, wenn das Fahrzeug FÄHRT) und Kosten für das Be- und Entladen.
Dabei ist die Analyse der Personalkosten von großer Bedeutung, die je nach Einsatzart und Transportweg einen sehr hohen Anteil ausmachen können. Größenordnung bis zur Hälfte der Gesamtkosten ist nicht selten.
Um die Personalkosten zu drücken vereinbaren viele Transportunternehmer mit dem Fahrpersonal Festlöhne, unabhängig was und wie lange gearbeitet wird.
Bei dieser Regelung ist jedoch eine brauchbare Ermittlung der auf die km-Kosten entfallenden Anteile der Personalkosten nicht mehr möglich.
Daraus folgt, dass eine halbwegs brauchbare Kalkulation nicht mehr möglich ist.
Die Transportunternehmer rechnen den km-Kosten mehr oder weniger nur den Kraftstoff zu, obwohl die Kosten für den Fahrer während der Lenkzeit eindeutig auch diesem Kostenblock zuzuordnen ist. Daraus folgt dann der Trugschluss, dass man mit langen Fahrstrecken mehr Gewinn erwirtschaften kann als mit Kurzstrecken. Am Jahresende wundert sich der “Unternehmer” dann, dass wenig unter dem Strich geblieben ist.
In diesem Zusammenhang sollte auch noch darauf hingewiesen werden, dass hohe Fahrgeschwindigkeiten (häufig über dem gesetzlichen Limit) häufig KEINE Vorteile bringt, weil der Kraftstoffverbrauch bei steigender Geschwindigkeit ÜBERPROPORTIONAL ansteigt. Leider wird diese Tatsache in den Analysen der Fachpresse mehr oder weniger ausgeblendet.
Bei den Kennziffern zum Kraftstoffverbrauch werden in der Fachpresse fast nur Durchschnittszahlen genannt. Dabei ist es ein großer Unterschied, ob ein Fahrzeug voll (zum Beispiel mit 40 Tonnen) oder leer (dann nur 14 Tonnen) unterwegs ist.
Weiterhin spielt es eine wesentliche Rolle, ob Steigung oder Gefälle vorliegt oder es sich um flache Straße handelt. Ein Lastzug mit 40 Tonnen braucht auf einer Gefällestrecke so gut wie keinen Kraftstoff, auf der Steigung jedoch entsprechend mehr. Beim leeren Fahrzeug ist der Verbrauch auf der Steigung entsprechend geringer. Eine Differenzierung der Kraftstoffverbräuche darf in der Kalkulation NICHT unberücksichtigt bleiben.