Kein Staat, (fast) nirgendwo

Die Zeiten werden schwieriger für die Fuhrbetriebe. Das zeigen die heute vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) veröffentlichten Daten. Das zeigt auch der Transportpreisindex der VerkehrsRundschau (VR), der sowohl im ersten wie auch im zweiten Quartal 2009 im Vergleich zum vorherigen Quartal gesunken ist. Ein weiteres Indiz dafür ist der Erzeugerpreisindex des Statistischen Bundesamtes (Destatis) für den Straßengüterverkehr. Der verliert jedoch nicht ganz so rasant an Wert wie der VR-Index. Während es bei Destatis – 1,22 Prozent sind, fallen die Frachtraten laut dem VR-Index um 2,54 Prozent und damit doppelt so stark.

Aber es kommt auch nicht auf die genaue Prozentzahl an. Die wirklich heikle Botschaft, die sich hinter all diesen Zahlen verbirgt: Die Frachtraten – und damit die Fuhrunternehmer – stehen unter einem enormen Druck. Besonders leiden die Transporteure, die einfachste Leistungen anbieten und darauf angewiesen sind, ihren Fuhrpark über Frachtenbörsen auszulasten. Hier sind die Abschläge höher, deutlich höher.

Derzeit ist nicht absehbar, dass der Preisdruck in diesem Jahr spürbar nachgibt. Die Auftragslage ist in vielen Branchen nach wie vor bescheiden – von Ausnahmen wie bei einigen PKW-Herstellern (Stichwort: Abwrackprämie) mal abgesehen. Für viele Fuhrbetriebe wird die Situation jedoch zunehmend existenzbedrohend, weil sie mit einer Reihe weiterer Rahmenbedingungen zu kämpfen haben, die sich negativ auf ihre ohnehin schon prekäre Ertragslage bemerkbar machen. Die Mauterhöhung zum 1. Januar haben viele noch nicht verdaut, die Freigabe der Kabotage, deren Auswirkungen sich erst langsam bemerkbar machen, ist ein weiter Schlag. Nicht ohne Grund steigt die Zahl der Insolvenzen bei Straßengüterverkehrsunternehmen an.

Da wünscht sich so mancher den Staat als Hilfe herbei. Wenn die Banken Milliarden-Beträge bekommen, wenn Opel und Quelle finanzielle Unterstützung erhalten, wenn die Kombiverkehr um eine Finanzspritze bittet und wenn selbst Hapag-Lloyd-Miteigentümer Klaus-Michael Kühne nicht ausschließt, „dass auch Hapag-Lloyd um Staatshilfe nachsucht“, dann haben doch bitte auch all die vielen notleidenden Betriebe des Güterkraftverkehrsgewerbes ein Anrecht darauf – erst recht, weil doch der Staat mit der Erhöhung der LKW-Maut zu Jahresbeginn maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Transportgewerbe in Not geraten ist, so die häufig zu hörende Argumentation.

Doch sich auf die Bundesregierung als Rettungsanker zu verlassen, wäre fatal. Es gibt derzeit keine Anzeichen, die darauf hindeuten, dass Merkel und Co. in dieser Sache aktiv werden. Die Bundesregierung weigert sich – und dafür gibt es gute Gründe. Der Staat ist nun mal kein Goldesel, aus dem die Dukaten wie auf Knopfdruck herausfließen. Und die meisten Transportunternehmen sind letztlich nicht wegen der Mauterhöhung in die Schieflage geraten, sondern wegen wegbrechender Aufträge. Dafür kann die Bundesregierung nichts. Würde die Bundesregierung finanziell für alle notleidende Branchen aufkommen, wäre es bis zum Staatsbankrott nicht mehr weit. Es sei denn, die Steuern werden kräftig erhöht. Das will in diesen Zeiten aber auch niemand.

Zugegeben, es mag Fälle geben, in denen eine zeitlich befristete finanzielle Unterstützung sinnvoll sein kann. Und das Verhalten des Staat, der einerseits Unternehmen zu Hilfe kommt, andererseits einer kompletten Branche ein Joch in Form der Mauterhöhung auferlegt, ist in der Tat nicht schlüssig. Aber nochmal: Auf die Hilfe durch den Staat zu hoffen, wäre fatal. Nicht nur, weil ein solcher Schritt in etwa so wahrscheinlich ist wie ein ausgeglichener Staatshaushalt. Sondern auch deshalb, weil das viel größere Problem die wegbrechenden Aufträge sind.

Keine Frage, für die vielen notleidenden Betriebe und ihre Mitarbeiter sind das trübe Aussichten. Aber es ist die Realität, und davor sollte man die Augen nicht verschließen.

3 Reaktionen zu “Kein Staat, (fast) nirgendwo”

  1. Burkhard Unglaube

    Herr Cordes hat Recht mit seiner Meinung das die fehlenden Aufträge das Hauptproblem sind in unserer Branche. Es ist auch zu bedenken, das bei einer Rücknahme der Mauterhöhung wieder Preisgespräche mit der Kundschaft geführt werden müssten und das dieses wiederum zu Preisnachlässen führen würde. Ob uns das wirklich weiterhelfen würde kann ich mir nicht vorstellen.

  2. Hubertus Kobernuß

    Der Staat darf nicht der “Heilsbringer” werden. Die Wirtschaft muß aus sich selbst wieder wachsen. Die Transportunternehmer können sich einer Abwärtsspirale der gesamten Wirtschaft nicht entziehen. Aber mit wievielen Fahrzeugen und zu welchen Preisen er losfährt, entscheidet der Unternehmer selbst. Das nun die Bundeskanzlerin die Mauterhöhung aufrecht erhalten hat, darf nicht ungestraft durchgehen. Die “Merkel-Werbung” auf vielen LKW hat Berlin bereits nervös gemacht. In den Blättern der großen Parteien wurden die Rückwandplakate bereits abgedruckt. Es tut sich was! Politiker sind also doch Menschen, vorallem wenn sie auf der Liste ganz hinten stehen. Also Preisdisziplin waren und Flagge zeigen bis zum September!

  3. Miriam Jetati

    Echt stark so eine Meinung

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