Monatsarchiv für November 2008

Die Krise ist angekommen

Dienstag, den 11. November 2008

Wenn sich die Lobby-Verbände zu Wort melden, ist immer eine gewisse Vorsicht angesagt. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass sie die Probleme, die ihr Gewerbe betrifft, überzeichnen und daher gerne mit Superlativen um sich schmeißen. Schließlich wollen sie das Maximale für ihre Betriebe heraus holen. Wenn also jetzt der Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) anlässlich der vom Bundesrat durchgewunkenen Mauterhöhung verkündet, die Länder hätten damit „einem Existenzvernichtungsprogramm für 40.000 Arbeitsplätze zugestimmt“, wird so mancher Beobachter dies als Hysterie abtun.

Ob nun alleine die Mauterhöhung der Verursacher dieses „Existenzvernichtungsprogramms“ ist, ob nun tatsächlich deshalb 5000 Fuhrbetriebe ihre Bude dicht machen müssen, wie der Verband befürchtet, wird die Zeit zeigen. Aber die Anzeichen, dass es dem Transportgewerbe gerade mehr als nur nass reinregnet, lassen sich nicht wegdiskutieren. Diese Anzeichen kommen von Institutionen, die frei sind von jeglichem Lobbyismus. So bekommt die Auftragslage für die Verkehrsunternehmen im nächsten Jahr mehr als nur einen kräftigen Dämpfer. 2009 soll laut einer Vorhersage von ProgTrans/Prognos die Verkehrsleistung erstmals seit 1996 wieder schrumpfen. Und über finanzielle Polster, die sich abzeichnende Durststrecke zu überwinden, verfügen viele Betriebe nicht, wie die neuesten Zahlen von Creditreform für das dritte Quartal 2008 zeigen. Demnach hat sich schon jetzt – vor der bevorstehenden Mauterhöhung – die Ertragslage in der Verkehrs- und Logistikwirtschaft „dramatisch verschlechtert“. Die hohen Kraftstoffpreise und die mit den neuen Personalvorschriften verbundenen Kostensteigerungen für die Fahrer lassen grüßen.

Wenn sich dann noch Anfang dieser Woche der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) zu Worte meldet und als Interessenvertreter der Verlader bezweifelt, dass die kürzlich beschlossene Erhöhung der LKW-Maut in Deutschland auf jeden Fall von den Auftraggebern in vollem Umfange übernommen wird, muss man in der Tat Schlimmes befürchten. Dagegen war die Situation zu Jahresbeginn 2005, als die LKW-Maut eingeführt wurde, ein Klacks.

Für die anstehenden Preisverhandlungen zwischen Transportdienstleister und Verlader kann dies nur bedeuten: Die Dienstleister müssen besser denn je vorbereitet in die Gespräche gehen. Sie müssen ihrem Gegenüber die Mehrkosten detailliert auflisten, die mit der Maut auf sie zukommen und – nicht weniger wichtig – die bereits in diesem Jahr angefallen sind. Aber sie müssen auch aufzeigen, wo es womöglich noch Einsparpotenziale gibt. Und die Verlader auf der anderen Seite sollten sich genau überlegen, ob sie es sich leisten können, sich den Forderungen zu widersetzen und damit Gefahr zu laufen, ihren Dienstleister zu verlieren und in den Ruin zu schicken.