IG Metall: Reeder lassen zu viel im Ausland bauen

07.06.2010 09:33 Uhr
Schiffbau
Die IG Metall Küste kritisiert, dass immer weniger Schiffe in Deutschland gebaut werden
© Foto: Jens Koehler / ddp

Laut Gewerkschaftsangaben gehen vier von fünf Schiffbauaufträgen aus Deutschland an Werften in China und Südkorea

Hamburg/Schwerin. Deutsche Reeder sollen mehr bei deutschen Werften bestellen, fordert die Chefin der IG Metall Küste, Jutta Blankau. "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass im vorigen Jahr 83 Prozent aller Schiffbauaufträge deutscher Auftraggeber bei Werften in Südkorea und China lagen. Das hat mich umgeworfen", sagte Blankau in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Nur zwei Prozent der 1095 bestehenden Aufträge seien an Werften in Deutschland gegangen. Damit sei die Bundesrepublik auf einem Niveau mit Rumänien.

"Ich appelliere an das patriotische Gefühl der Reeder", sagte Blankau. Sie verwies auch auf Steuererleichterungen für die Schiffseigner. Daraus ergebe sich eine Verpflichtung für das Gemeinwohl. Die Schiffbaubetriebe in der Bundesrepublik stecken angesichts von Überkapazitäten auf den Meeren und niedriger Preise asiatischer Werften in der tiefsten Krise seit Jahrzehnten. In diesem Jahr haben die deutschen Werften Blankau zufolge erst sechs Schiffbauaufträge erhalten.

"Ich erwarte von den deutschen Reedern, dass sie den deutschen Schiffbau in der Krise stützen." Das gelte aber auch für andere Auftraggeber, wie Energiekonzerne, die Spezialschiffe für die Errichtung von Windkraftanlagen im Meer benötigen. "Diese Konzerne verdienen viel Geld in Deutschland mit dem Öko-Strom, da steckt auch deutsches Steuergeld drin", sagte Blankau mit Blick auf den Energiekonzern RWE, der Ende 2009 ein Spezialschiff zur Errichtung von Windrädern auf dem Meer in Südkorea in Auftrag gegeben hat.

Von der Bundesregierung forderte die Gewerkschafterin, höhere Umweltstandards für die Schifffahrt europa- und möglichst weltweit durchzusetzen. "Ab 2014 gelten auf Nord- und Ostsee deutlich geringere Grenzwerte für den Ausstoß von Schadstoffen wie Kohlendioxid und Schwefeldioxid", sagte sie. "Das würden wir gerne auf das Mittelmeer ausdehnen. Dort fahren noch viele Fähren, die 30, 40 Jahre alt sind. Die müssten ausgetauscht werden." Bei innovativen Schiffen seien die deutschen Werften gut. Hingegen biete der Bau einfacher Containerschiffe keine Zukunft. "In der aktuellen Krise würden aber Containerschiff-Aufträge deutscher Reeder extrem helfen", sagte Blankau. (dpa)

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