Hybridtechnologie ist für den Straßengüterverkehr keine Lösung

14.10.2008 17:17 Uhr
Daimler-Flottentest - DHL-Hybrid-LKW
Eine Studie stellt die Zukunft des Hybridantriebs für den Straßengüterverkehr in Zweifel. (Bild: Daimler)
© Foto: Daimler

Technologieberatung Invensity sieht andere Stellhebel zur Emissionsminderung

Wiesbaden. Der Hybridantrieb stelle für den Straßengüterverkehr keine dauerhafte Zukunftslösung dar. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Technologieberatung Invensity unter Branchenexperten. Demnach könnten Hybridtechnologien nur im Stadtverkehr aufgrund des besonderen Fahrprofils mit kurzen Strecken und vielen Stopps eine deutliche Effizienzsteigerung und wirtschaftliche Option darstellen, heißt es in einer Erklärung von Invensity. „In fünf Jahren werden alle neuen Stadtbusse mit Hybridtechnik ausgestattet sein. Für den Fern-Güterverkehr mit LKW sind jedoch andere vielversprechende Konzepte in den Entwicklungs- und Strategieabteilungen der Nutzfahrzeughersteller, Zulieferer, Aufbautenhersteller und Logistikdienstleister in Bearbeitung. Die Unternehmen sind gewillt, dieses Rennen um mehr Energieeffizienz und weniger CO2-Emissionen zu gewinnen“, sagt Matthias Welge, Consultant bei Invensity. Er macht darauf aufmerksam, dass schon ein Minderverbrauch von einem Liter Diesel auf 100 km zu einem Wettbewerbsvorsprung führt. Somit könne der Antrieb über Erfolg und Misserfolg des gesamten Unternehmens entscheiden, sei es als Verkaufserfolg von neuen LKW beim Hersteller oder als Wettbewerbsfähigkeit bei Transportunternehmen. Grundsätzlich lasse sich die Transporteffizienz anhand der drei Stellhebel Fahrzeug(-Aufbau), Antrieb und Verkehrsführung erhöhen. Durch innovative Fahrzeugaufbauten basierend auf Bionik-Konzepten könne der Luftwiderstandswert eines Sattelzuges halbiert werden und zu 20 bis 30 Prozent Energieeinsparung führen. Schnell umsetzbar sei der Wunsch der Logistikdienstleister nach Mega-Konzepten mit einer Erhöhung der Nutzlast und des Volumens, die Kraftstoff und Emissionen um 15 bis 30 Prozent einsparen könnten. Allerdings treffen die längeren und höheren LKW auf erheblichen Widerstand bei der Bevölkerung und zuweilen auch bei der Politik. Im Bereich Antrieb führten die strengeren Abgasnormen (Euro5/6) zu einer Optimierung der Motoren hinsichtlich dieser Werte, wobei für einen Minderverbrauch nur geringe Einsparungen durch Thermomanagement oder Wärmerückgewinnung möglich seien. Die Verringerung der CO2-Emissionen im Antriebsbereich werde von Branchenexperten auf fünf bis zehn Prozent geschätzt. Einen sehr großen Beitrag mit bis zu 50 Prozent Kraftstoffeinsparung könne eine optimierte Verkehrsführung mit konstanter Geschwindigkeit, weniger Stopps und geringen Steigungen liefern. Hier liege die Verantwortung vor allem bei der Politik, die entsprechende Infrastruktur bereitzustellen und das Investitionsniveau des Bundesverkehrswegeplans zu erhöhen. Bereits aktiv geworden sei der Bund bei der Förderung von Telematikdienstleistungen, die durch das Galileo-System in Verbindung mit einer Nutzung der Toll-Collect Daten weiter verbessert werden könnten. Ein weiteres Zukunfts-Forschungsfeld bei allen großen PKW- und LKW-Herstellern sei die Car-to-Car-Communication, mit der sich auch das Innovation Center von Invensity befasse. Durch sie soll das Fahren im Konvoi mit geringen Abständen zur optimalen Ausnutzung der vorhandenen Straßen und Verringerung des Luftwiderstands genutzt werden. (sv)

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