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20.06.2017Transport + Logistik │ Ausland

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premiumHupac-Jahrestagung: Schwarzer Peter für Deutschland

Der neue Gotthard-Basistunnel sollte Impulse für den Schienengüterverkehr durch die Schweiz liefern. Diese drohen niedriger als er erwartet auszufallen, auch wegen Versäumnissen in Deutschland.
Hans-Jörg Bertschi, Hupac

Hans-Jörg Bertschi, Präsident des Verwaltungsrates der Hupac, übte Kritik an der Verkehrspolitik in Deutschland und forderte, die Überholgleise auf der Rheinstrecke so auszubauen, dass dort auch 750 Meter lange Güterzüge fahren können

Foto: Michael Cordes/VerkehrsRundschau

Luzern. Der schweizerische Kombi-Operateur Hupac hat sich in den ersten fünf Monaten dieses  Jahres erfolgreich entwickelt. Das Transportaufkommen stieg von Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent. Im transalpinen Verkehr via Schweiz verzeichnete das Unternehmen im gleichen Zeitraum sogar ein Wachstum von 9,3 Prozent. Damit setzt sich der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2016 fort. Diese Zahlen verkündete Hans-Jörg Bertschi, Präsident des Verwaltungsrates der Hupac, am Montag auf der Generalversammlung in Luzern. Dort feierte der Operateur auch sein 50-jähriges Bestehen.

Versäumnisse bremsen Wachstum

Eigentlich hatten die Verantwortlichen bei der Hupac gehofft, dass es mit diesem Wachstum so oder so ähnlich in den nächsten Jahren so weitergeht. Vor allem von dem neuen Gotthard-Basistunnel erwartet sich der Operateur deutliche Verbesserungen. Doch Bertschi zählte einige Hürden auf, die aktuell und künftig das Wachstum hemmen könnten. Ein Grund sind Versäumnisse in Deutschland.

So gibt es durch den neuen Flachtunnel zwar einen Zeitgewinn. „Aber 90 Prozent des Zeitgewinns werden durch das Warten der Züge an den Grenzen verbummelt“, kritisierte Bertschi. Denn es gelte weiterhin der alte Fahrplan vor der Inbetriebnahme des Tunnels. Der Inhaber der Spedition Bertschi machte dafür die fehlende Abstimmung zwischen den Netzbetreibern der jeweiligen Bahnen verantwortlich, also die Schweizerischen Bundesbahnen, aber auch die italienische und die Deutsche Bahn. Daher forderte Bertschi: „Wir benötigen eine zentrale Planung auf dem Korridor Rotterdam-Genua.“

Deutschland verschenkt Potential

Auch wenn dieses Problem behoben ist, werde der Tunnel noch immer nicht seine volle Leistungsfähigkeit entfalten. Bertschi bemängelte, dass die deutsche Regierung im neuen Bundesverkehrswegeplan nicht die Verlängerung der Überholgleise auf 740 Meter in den vordringlichen Bedarf aufgenommen habe. „Während alle anderen ihre Hausaufgaben gemacht haben, hinkt Deutschland hier hinterher“,  kritisierte der Hupac-Chef.

Denn in Deutschland können die Züge derzeit maximal 690 Meter lang sein und werde sich daran womöglich bis 2030 nichts ändern. Damit würde ein Potential von acht Prozent pro Zug verschenkt.

Weiterer Jahresverlauf wird schwierig

Doch schon im kommenden Halbjahr wird sich für Hupac das Wachstum aus den ersten fünf Monaten nicht so fortsetzen. Grund sind Bauarbeiten auf der Luino-Strecke zur Erweiterung des Vier-Meter-Korridors, weshalb die Route seit Mitte Juni gesperrt ist und diese Sperrung bis Jahresende andauert. Bis 2020 werde es auf dieser Strecke weitere Kapazitätseinschränkungen geben.

Über Luino wickelt Hupac etwa 60 Prozent seiner Schweiz-Transitverkehre ab. Die müssen jetzt auf die Domodossolo-Route (derzeit 30 Prozent) und über Chiasso (10 Prozent) umgeleitet werden. Das sei jedoch mit Kapazitätseinschränkungen und Verzögerungen verbunden, so dass Bertschi davon ausgeht, dass die Transportmengen in der zweiten Hälfte 2017 allenfalls geringfügig wachsen werden. (cd)

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