Hessens Verkehrsminister: Staufreier Verkehr ist aktive Wirtschaftspolitik

22.04.2010 14:56 Uhr
Stau
Hessens Verkehrsminister Dieter Posch sieht in staufreiem Verkehr eine "aktive Wirtschaftspolitik"
© Foto: Michael Gottschalk

Dieter Posch zieht Halbzeitbilanz des Projekts „Staufreies Hessen 2015“ / Seitenstreifenfreigabe soll ausgeweitet werden

Frankfurt/Main. Den Weg zu einem staufreien Verkehr hat Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) als „aktive Wirtschaftspolitik“ hervorgehoben. Staus kosteten Wirtschaft und Privatleute viel Zeit und Geld, sagte er am Donnerstag auf einem Verkehrskongress in Frankfurt zur Halbzeitbilanz des Projekts „Staufreies Hessen 2015“. Es sei zwischen 2003 und 2009 gelungen, die Staus auf den Straßen um 80 Prozent zu reduzieren. Viel dazu beigetragen habe die zeitweise Freigabe der Seitenstreifen von Autobahnen bei hohem Verkehrsaufkommen. Technisch seien dafür rund 65 Autobahnkilometer ausgerüstet. Diese Aufrüstung der Autobahnen soll laut Posch auf 340 Kilometer ausgeweitet werden. Es sei aber „nicht einfach, einen Straßenbauer zu überzeugen, Seitenstreifen, die der Sicherheit dienen, zeitweise für den fließenden Verkehr freizugeben“. Aber es gebe neue Technologien, die es ermöglichten, freigegebene Streifen sofort wieder zu sperren, wenn ein Wagen liegenbleibe. Verkehrssysteme vernetzen Der Minister sagte, eine aktive Mobilitätspolitik müsse die verschiedenen Verkehrssysteme vernetzen. Dabei müsse der Nutzer im Mittelpunkt stehen. Zwei Drittel aller Wege würden mittlerweile zurückgelegt zum Einkaufen, zur Erledigung anderer Dinge und in der Freizeit. Der Weg zur Arbeit stehe dahinter. Der Autofahrer soll laut Posch auch zum Umsteigen bewegt werden. „Viele wissen gar nicht, dass sie ihr Ziel auch mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Zug erreichen können.“ Der Projektleiter von „Staufreies Hessen 2015“, Gerd Riegelhuth, sagte, es seien Informationen über die Ziele der Fahrzeuge nötig, damit auf den Straßen der Verkehr ungestört fließen könne. Dies könne über eine Ortung von Fahrzeugen geschehen. Technisch sei auch eine Kommunikation von Auto zu Auto oder vom Auto mit der Verkehrslenkung möglich. So könne über anonymisierte Daten die Situation auf den Straßen erfasst werden. Dies helfe, Unfälle zu verhindern. Dem Ziel dienten auch Assistenzsysteme, die dem Fahrer helfen. Dazu zählen die Verkehrsplaner die elektronische Stabilitätskontrolle ESC, Spurhalteassistenz oder Tempowarnung. Staufreiheit hat volkswirtschaftlichen Nutzen Riegelhuth betonte den volkswirtschaftlichen Nutzen der bisher zum Fahren eingesetzten Seitenstreifen. So zeigten Berechnungen, dass mit vermiedenen Staus auf der Autobahn 5 zwischen Friedberg und dem Frankfurter Nordwestkreuz elf Millionen Euro eingespart worden seien. Um 340 Autobahnkilometer für die Seitenstreifenfreigabe fit zu machen, müssten die neuralgischen Punkte „nach ihrer Belastung abgearbeitet“ werden. Schwerpunkt sei das Rhein-Main-Gebiet. Aber auch der Abschnitt zwischen Alsfeld und dem Kirchheimer Dreieck stehe oben auf der Prioritätenliste. Obwohl 80 Prozent der Staus weggefallen seien, blieben noch 20 Prozent. Diese machten allerdings „80 Prozent des Gesamtaufwandes“ des Projekts „Staufreies Hessen 2015“ aus. (dpa)

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