29.07.2009 |

Hapag-Lloyd erhält Finanzspritze von Eigentümern

Arndt

Hamburg. Die notleidende Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd bekommt eine dringend benötigte Kapitalspritze, um drohende Liquiditätsengpässe abzuwenden. Rund 330 Millionen Euro wollen die Eigentümer – die TUI AG und Teile der Hamburgischen Seefahrtsbeteiligung Albert Ballin – in den kommenden Tagen überweisen. Das Ergebnis wurde am Dienstag nach harten Verhandlungen erzielt, auf der auch die seit Monaten schwelenden Interessengegensätze der Konsortialpartner offen ausbrachen.

So steuern aus dem Kreis der Konsortialpartner neben dem Stadtstaat Hamburg (76 Millionen Euro) und dem Versicherer Signal Iduna (23 Millionen Euro) nur zwei Partner Geldmittel bei. Die ebenfalls zum Konsortium gehörende HSH Nordbank stellt einen Kredit von gut 15 Millionen Euro zur Verfügung. Zu keinen Geldzuwendungen waren der Hamburger Unternehmer Klaus-Michael Kühne, die Warburg-Privatbank sowie die Versicherung Hanse-Merkur bereit. Die TUI AG trägt mit 215 Millionen Euro den Löwenanteil an der Finanzspritze.

Im Gegenzug überlässt Hapag-Lloyd seinen 25,1 prozentigen Anteil an der Containerterminal Altenwerder GmbH (CTA) den Geldgebern als Sicherheit. Allerdings könne die Reederei diesen Anteil wieder zurückkaufen, „sobald es die wirtschaftliche Entwicklung zulässt“, teilte TUI mit. Nach Informationen des Hamburger Abendblattes soll zeitweilig auch der Verkauf des Terminal-Anteils an einen anderen Interessentenkreis in Erwägung gezogen worden sein.

Die Meldung von der erfolgreichen Rettungsaktion löste in der Hamburger Politik unterschiedliche Reaktionen aus. Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) reagierte mit Erleichterung und versprach: „Hamburg wird Hapag-Lloyd nicht im Stich lassen.“ Es komme jetzt „ganz entscheidend darauf an, die große Lösung auf den Weg zu bringen, und das soll auch in absehbarer Zeit geschehen“, erklärte der Senator gegenüber dem „Norddeutschen Rundfunk“ (NDR). Damit sind alle Hapag-Lloyd-Eigentümer und auch der Bund gefordert. Die Rede ist von weiteren 1,4 Milliarden Euro, die in den kommenden Monaten für die Reederei aufgebracht werden müssen.

Die Hartleibigkeit von Konsortiumsmitglied Klaus-Michael Kühne löste beim Fraktionsvorsitzenden der Grünen in der Hamburger Bürgerschaft, Jens Kerstan, große Verärgerung aus. „Ich bin einerseits froh, Hapag-Lloyd kurzfristig vor der Insolvenz zu bewahren, ich bin andererseits aber auch sehr wütend.“ Die Wut des Grünen-Politikers richtet sich gegen Kühne, der sich noch vor wenigen Monaten „als Retter von Hapag-Lloyd feiern ließ“, so Kerstan im NDR.

Nach Medienberichten soll die Reederei derzeit aufgrund der weiterhin angespannten Lage auf den Weltschifffahrtsmärkten monatlich einen Verlust von rund 100 Millionen Euro einfahren. (eha)

 
Anzeige
 

Weitere Informationen

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

29.07.2009Artikelinformationen

Social Networking
Schlagworte
Bildnachweis
(Foto: Arndt)

VerkehrsRundschau mobil

Gefahr/gut-Umfragegewinnspiel

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage zur IMO Erklärung teil.

Sichern Sie sich einen von drei BestChoice-Einkaufsgutscheinen im Wert von 50,-€, einlösbar bei 200 Partnern in über 25.000 Filialen.

[Jetzt teilnehmen]

Frachtenbörsen

Transportausschreibungen

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 21.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Glastaxi meint: Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und...[mehr…]
  • 19.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Jürgen Auth meint: Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Transport + Logistik
    Gefährlicher Spatenstich für Bayerns Innenminister
    Deka 1803 meint: Was sagt uns dies: Von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man tunlichst die Finger...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Recht + Geld
    Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz für selbstständige Fahrer
    Thomas Flesch meint: Darf ich jetzt länger fahren?! Laut EU-Recht maximal 90 Stunden Lenkzeit in 2 Wochen und nach diesem...[mehr…]
  • 17.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    hans-ulrich Höfler meint: Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet,...[mehr…]

Frage der Woche

Jahresabo Premium

Jahresabo

Profitieren Sie ein Jahr lang von den Premium-Vorteilen der VerkehrsRundschau!


Mit hochwertiger Prämie! [Bestellen]

Aktuelle Stellenangebote

Weitere Stellenanzeigen buchen

Beliebteste Galerien

Mini-Abo Online

miniabo

Testen Sie jetzt VerkehrsRundschau Online vier Wochen lang für nur 19 €

[Bestellen]

Beliebteste Meldungen