04.12.2009 |

Hamburger Hafen will durch Rabatte Ladungsströme zurückholen

Hamburg. Die Hamburger Hafenwirtschaft will in einer konzertierten Aktion die Umschlagskosten dauerhaft senken und so verloren gegangene Ladungsströme zurückholen. Das haben Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) und der Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), Jens Meier, am Donnerstag angekündigt. Neben neuen Rabattsystemen beim Hafengeld zählen unter anderem Zugeständnisse der Elb- und Hafenlotsen sowie der Schleppreedereien zu dem „Hafenpaket“. „Dies ist kein Krisentarif, sondern ein Anreizsystem“, betonte Gedaschko. Falls der Anreiz wirke, werde die HPA vorübergehende Mindereinnahmen wieder ausgleichen, sagte Meyer.

Mit der Gemeinschaftsaktion will Hamburg laut Gedaschko auf dramatische Konsequenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise reagieren. Die Krise habe vor allem den besonders wichtigen Ostasien- und Ostsee-Verkehr getroffen. Die Verluste bezifferte der Chef der Wirtschaftsbehörde für die ersten neun Monate dieses Jahres auf ein Minus von 22,9 Prozent gemessen an der Tonnage sowie auf -29,3 Prozent bei den Containerstückzahlen.

Über die Krisenzeiten hinaus fürchtet die Hafenwirtschaft dauerhafte Konsequenzen für den Umschlagsplatz Hamburg. „Überkapazitäten am Markt erleichtern es, auf andere Standorte auszuweichen“, sagte Gedaschko. Neben der jetzt geplanten Kostenanpassung sei deswegen die Vertiefung des Elbfahrwassers dringend erforderlich.

Neue Form von Hafengeld-Tarifen

Einer der wesentlichen Punkte der geplanten Kostenanpassung ist laut Meier eine neue Form von Hafengeld-Tarifen. Außerdem sollen ursprünglich geplante Erhöhungen der Tarifsätze bis auf weiteres ausgesetzt werden. Zusätzlich will die HPA die Zahlungsziele für die Hafengeld-Rechnungen individuell auf bis zu zwölf Monate verlängern, um Reedern mit finanziellen Engpässen Spielraum zu verschaffen.

Der neue Hafengeld-Tarif passt sich dem an, was in anderen Häfen längst üblich ist. Im Gegensatz zur internationalen Praxis habe Hamburg bislang ausschließlich nach der Schiffsgröße Liegegebühren kassiert, sagte Meier. Künftig soll eine Umschlagsmengenkomponente hinzukommen, die zudem mit Rabatten insbesondere für den Kurzstreckenverkehr in den Ostseeraum (Feederverkehr) verbunden wird.

Mit diesem System will der Hafen an der Elbe seine Drehscheibenfunktion zwischen den Fernost-Linien und den Ostseestaaten stärken. Derzeit umgehen immer mehr Reeder Hamburg indem sie von und nach Rotterdam und Antwerpen nicht mehr durch den Nord-Ostseekanal, sondern rund um Dänemark fahren.

Keine Gesamtzahlen zur Kostensenkung

Mit dem Hinweis, die Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen könnten Hamburg der Kartellbildung beschuldigen, wollten weder Meier noch Gedaschko Gesamtzahlen für die Kostensenkungen nennen. Keine Angaben machten sie zudem über die Relation zwischen den Nachlässen und den Gesamtanlaufkosten. Meier präsentierte lediglich eine Modellrechnung.

Demnach müssen für ein Containerschiff mit Platz für 8500 Standardcontainer (TEU) bislang 20.941 Euro Hafengeld entrichtet werden. Werden von diesem Schiff 750 TEU im Feederverkehr-Bereich umgeschlagen, soll es fünf Prozent Rabatt und bei 1500 TEU zehn Prozent Rabatt geben. Wie bisher will die HPA für regelmäßig wiederkehrende Schiffe bis zu 50 Prozent Rabatt gewähren.

Zu den jetzt geplanten Kostenentlastungen tragen den Angaben zufolge praktisch alle Bereiche der Hafenwirtschaft bei. So wollen die Hafen- und die Elblotsen mindestens bis 2011 auf eigentlich geplante Gebührenerhöhungen verzichten, kündigte der Präses der Handelskammer Hamburg, Frank Horch, an.

Die Deutsche Bahn AG will den Hafen nach Angaben ihrer Hamburger Generalbevollmächtigten Ute Plambeck durch eine Verbesserung der Schieneninfrastruktur im Gesamtvolumen von 550 Millionen Euro stärken. Davon sind 230 Millionen Euro für die Modernisierung des Rangierzentrums Maschen vorgesehen. (dpa)

 
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