11.12.2008 |

Hafenentgelte 2009: Das Spektrum reicht von „moderat“ bis „Entsetzen“

Rotterdam/ Antwerpen/ Hamburg. Die europäischen Seehäfen bekommen die Folgen der globalen Finanzmarktkrise und der damit ausgelösten Konjunkturabschwächung immer deutlicher zu spüren. Die Umschlagmengen wachsen entweder nur noch schwach, stagnieren oder verringern sich sogar. Eine Konsequenz der Häfen: Sie setzen für 2009 auf eine moderate Entgeltanpassung oder sogar Nullrunden. Lediglich für den Hamburger Hafen deutet sich eine massive Preisanpassung an.

Der Hafen Rotterdam wird seine Hafenentgelte 2009 um ein Prozent anheben, und zwar zum 1. Januar 2009. Im Gegensatz zu den Vorjahren wird es keine Differenzierung nach Marktsegmenten geben, betont der Hafenbetrieb Rotterdam (HbR) gegenüber der VerkehrsRundschau. Das Binnenschiff-Entgelt, das Seehafengeld sowie die Kaientgelte werden deshalb gleichmäßig um ein Prozent erhöht. Mit der „moderaten“ Anpassungshöhe trage man dem auch für die Seehafenverkehrs- und Logistikwirtschaft schwierigeren Marktumfeld Rechnung, begründet der HbR. Zudem habe man auch die Gebühren-Anpassungspläne in den Mitbewerberhäfen berücksichtigt. Über die Höhe der Anpassung seien zuvor intensive Gespräche mit dem Rotterdamer Hafenunternehmerverband Deltalinqs geführt worden.

Der Hafen Antwerpen wird ebenfalls nur schwach an der Gebührenschraube drehen, bestätigte Anne Dirkx, Sprecherin beim Städtischen Hafenbetrieb Antwerpen (SHA). „Die Erhöhung zum 1. Januar 2009 liegt bei durchschnittlich 1,75 Prozent.“ Der Scheldehafen, der neben Hamburg in den zurückliegenden fünf Jahren im Containersegment zu den am stärksten wachsenden Containerhäfen innerhalb der Hamburg-Le Havre-Range gehörte, spürt inzwischen ebenfalls die Folgen der Finanzmarktkrise und konjunkturellen Schwäche. Schon breitet sich im Hafen, aber auch im Bundesland Flandern große Besorgnis aus. Im Oktober lag die Zahl der Schiffsanläufe um gut zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Hafenarbeiterpool verzeichnet seit November einen deutlichen Nachfragerückgang. Der Betreiber des Terminals „Antwerp Gateway“ in dem erst Mitte 2005 eröffneten „Deurganckdok“ (Linkes Scheldeufer) kündigte jetzt die Entlassung von 23 Portalhubwagen-Fahrern an, weil die Containerumschlagmengen stark rückläufig seien. Dabei wurde in den zurückliegenden drei Jahren in Antwerpen viel unternommen, um Hafenfachkräfte, unter anderem Straddle-Carrier-Fahrer auszubilden.

Amsterdam, die Nummer zwei unter den niederländischen Häfen wird die Hafenentgelte im Schnitt um zwei Prozent zum Jahresbeginn anpassen, teilte Ab van der Neut, Sprecher des städtischen Hafenbetriebs SHA, der VerkehrsRundschau mit. Ursprünglich sollte die Erhöhung bei 3,75 Prozent liegen. Doch wurde dieser Plan mit Blick auf die völlig veränderten Rahmenbedingungen wieder verworfen. Schließlich soll die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens, der seit 2005 ein sehr stürmisches Wachstum im Containerverkehr erlebt, nicht gefährdet werden.

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