10.08.2009 |

Hafen Rostock: Massiver Umschlagrückgang scheint gestoppt

Rostock. Der Abwärtstrend beim Seegüterumschlag am Hafenstandort Rostock ist beendet. Davon geht Ulrich Bauermeister, Geschäftsführer der Hafenentwicklungs-Gesellschaft Rostock (Hero) aus. 10,9 Millionen Tonnen wurden in dem von der Hero bewirtschafteten Seehafen sowie in den von eigenständigen Gesellschaften betreuten Bereichen Fracht- und Fischereihafen Rostock sowie den Chemiehafen Yara umgeschlagen. Das entspricht einem Rückgang um 3,1 Millionen Tonnen oder 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der mit Abstand wichtigste Rostocker Hafenteil bleibt der Seehafen, über dessen Kaikanten im ersten Halbjahr rund 10,2 Millionen Tonnent gingen – nach 13,2 Millionen Tonnen, die noch im ersten Halbjahr 2008 umgeschlagen wurden.

Für den Umschlagrückgang im Seehafen, für den es 2010 eine größere Feier anlässlich des 50-jährigen Bestehens geben wird, machte Hero-Chef Bauermeister mehrere Ursachen verantwortlich: die Wirtschaftskrise, die vor allem die Baltischen Staaten und Russland, aber auch Skandinavien hart getroffen hat sowie die Havarie des Rostocker Kohlekraftwerkes zu Jahresbeginn. Das direkt im Hafen angesiedelte Kraftwerk bezieht die zur Verstromung benötigte Kohle über den Seehafen. Bauermeister: „Die Turbinen-Havarie hat uns fast 400 000 Tonnen gekostet.“

Sehr schmerzhaft empfindet der Hafen auch die Verluste im Fähr- und Ro/Ro-Verkehr, die in den zurückliegenden Jahren vor allem durch satte Zuwachsraten gekennzeichnet waren. Die hier erzielten 5,9 Millionen Tonnen bedeutenden einen Rückgang um gut 2,5 Millionen Tonnen oder ein Drittel gegenüber dem Vorjahr. Aktuell hat Rostock noch für Fährverbindungen sowie drei Ro/Ro-Routen nach Dänemark, Schweden, Finnland, Lettland und England. Auf diesen Routen wurden im ersten Halbjahr gut 152.140 Fahrzeuge im begleiteten Verkehr befördert - „das waren fast ein Drittel weniger als vor einem Jahr“. Bei den unbegleiteten Trailer-Verkehre ergab sich mit rund 43.000 Einheiten ein Minus von gut 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Beim wertschöpfungsintensiven Stückgut-Bereich musste der Seehafen ebenfalls einen Rückschlag hinnehmen. Die 128.000 Tonnen entsprechen einem Rückgang von gut 64 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum. Einen kleinen Lichtblick gab es dann aber doch noch: der Getreideumschlag über den größten deutschen Ostsee-Universalhafen entwickelt sich sehr erfreulich. An Gerste und Weizen wurden im aktuellen Berichtszeitraum rund 545.000 Tonnen mehr umgeschlagen als vor einem Jahr.

Bauermeister betonte, dass die Umschlageinbußen des ersten Halbjahres in den verbleibenden Monaten nicht mehr aufzuholen seien. Somit richte sich jetzt der Blick auf das nächste Jahr. Der Hafen werde in jedem Fall an seinen langfristig angelegten Ausbauvorhaben festhalten. Herausragende Einzelprojekte sind dabei die Vertiefung der seewärtigen Zufahrt, die weitere Erschließung des maritimen Gewerbegebietes, in dem in den vergangenen Jahren sehr erfolgreiche Unternehmen wie zum Beispiel der Kranbauer Liebherr oder die Erndtebrücker Eisenwerke (EEW) angesiedelt werden konnten, Neuordnungen im Bereich der Fähranleger sowie der weitere Ausbau des Umschlagterminals für den kombinierten Verkehr Schiene/Straße - „Rostock Trimodal“. Allein im laufenden Jahr wird die Hero rund 24,5 Millionen Euro investieren und damit das Vorjahresniveau halten. Bauermeister: „Unser Leitmotiv heißt: Wir halten weiter Kurs. Wir nutzen diese Zeit, um die Kapazitäten zu schaffen, die für den nächsten Aufschwung benötigt werden.“ (eha)

 
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