Hamburg. Die Hafen Hamburg Marketing (HHM) ist in sprichwörtlich schwere See geraten. Jürgen Sorgenfrei, langjähriges Vorstandsmitglied der für die Außendarstellung des größten deutschen Universalhafens zuständigen Einrichtung, hat die Brücke überraschend verlassen. Von einem „Müssen“ spricht man hinter vorgehaltener Hand in Kreisen der Hamburger Hafenwirtschaft, von „Beurlaubung“ spricht man offiziell, so geschehen durch Thomas Lütje, HHM-Aufsichtsratsvorsitzender seit dem 1. Januar diesen Jahres. „Es ist richtig, dass Herr Sorgenfrei beurlaubt wurde“, erklärte Lütje, hauptberuflich Geschäftsführer der HHLA Container Terminals GmbH. Bei der Marketing-Organisation selbst herrscht hingegen zu diesem Thema bei offiziellen Anfragen eisernes Schweigen. Nach VerkehrsRundschau-Recherchen soll das Verhältnis zwischen Sorgenfrei, der seit September 2001 an der Spitze der HHM stand und bis heute eine Vielzahl von Veränderungen gestartet und auch erfolgreich durchgeführt hatte, und dem Aufsichtsrat in den letzten Monaten von „atmosphärischen Störungen“ gekennzeichnet gewesen sein. Auch das wird berichtet: Zwischen dem 53-Jährigen und dem zweiten Vorstandsmitglied, Claudia Roller, 56, seit dem 1. April 2008 im Amt, hatte es wiederholt gehakt. Derzeit suchen alle Beteiligten nach einem Königsweg. Das Wort „Auflösungsvertrag“ macht die Runde. Hafenkreise berichten aber auch, dass es bereits Überlegungen geben soll, diese Personalentscheidung zum Anlass zu nehmen, um HHM künftig nur durch ein Vorstandsmitglied führen zu lassen. Zumal der letzte Personalwechsel innerhalb der Marketing-Einrichtung erst ein Jahr zurückliegt. Am 25. März 2008 wurde das Ausscheiden von Hendrik Lorenz aus der HHM „auf eigenen Wunsch“ in einer knappen Pressemeldung bekannt gegeben. Lorenz gehörte der Verkaufsplattform seit Anfang 2005 an. Nachfolger von Lorenz wurde Claudia Roller. Die HHM hatte in den vergangenen Monaten keinen leichten Stand, nachdem sich die Umschlagergebnisse im Hamburger Hafen bis zum Sommer zunächst eingetrübt und zum Herbst 2008 hin deutlich verschlechtert hatten. Für Verärgerung in der Hamburger Politik, aber auch im börsengeführten Unternehmen HHLA sorgte, dass die führende Hamburger Tageszeitung, „Hamburger Abendblatt“, gleich zwei Mal hintereinander aus streng vertraulichem Zahlenmaterial der HHM über die schlechten Umschlagzahlen zitiert hatte. Diese Informationen waren eigentlich nur der Führungsebene der Betriebe vorbehalten. (eha)
Hafen Hamburg: Marketing-Gesellschaft verliert wichtige Bugfigur
Vorstandsmitglied Jürgen Sorgenfrei beurlaubt: Offenbar wird Auflösungsvertrag vorbereitet