01.12.2009 | Transport + Logistik

Fraport verschiebt höhere Flughafengebühren

Frankfurt/Main. Der Streit um die Anhebung der Flughafengebühren in Frankfurt ist vorerst beigelegt. Der Flughafenbetreiber Fraport einigte sich am Dienstag nach monatelangen Verhandlungen mit Vertretern von Fluggesellschaften und Verbänden darauf, die Entgelte in den kommenden beiden Jahren schrittweise um insgesamt 12,5 Prozent zu erhöhen. Die ursprünglich zum Jahresbeginn geplanten Gebührenerhöhungen werden damit nach hinten verschoben und für das Jahr 2010 deutlich abgesenkt. Die Lufthansa spart nach eigenen Angaben rund zwei Drittel gegenüber dem ursprünglichen Modell.

Ein Lufthansa-Sprecher sprach von einer "tragfähigen Lösung mit einer längerfristigen Perspektive", doch bereite auch diese Erhöhung dem Unternehmen große Schmerzen. Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) sah hingegen "keinen Grund zur Zufriedenheit". Die höheren Entgelte belasteten die Fluggesellschaften sehr, sagte eine Sprecherin. Die Regulierung der Flughafengebühren müsse dringend reformiert werden.

Die letztlich vom Land Hessen festgelegten Entgelte für Starts, Landungen und andere Leistungen sollen in den kommenden beiden Jahren in vier Stufen um insgesamt 12,5 Prozent steigen, wie Fraport nach einer Anhörung im hessischen Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte.

Ursprünglich hatte Fraport für den bevorstehenden Jahreswechsel eine Anhebung um 8,4 Prozent beantragt und dies mit den Kosten für den Flughafenausbau begründet. Für das Folgejahr 2011 waren weitere Erhöhungen in ähnlicher Dimension geplant. Fluggesellschaften mit dem Hauptkunden Lufthansa an der Spitze hatten sich dagegen entschieden zur Wehr gesetzt. Nun sollen die Entgelte erstmals zum 1. Juli 2010 steigen, und zwar in der ersten Stufe lediglich um 4 Prozent.

Die Stufenlösung steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Parteien bis Februar auf den weiteren Gebührenverlauf bis 2015 einigen. Kommt dies nicht zustande, gilt die ursprünglich von Fraport geplante Erhöhung ab dem 1. April 2010.

Die Airlines setzten auf eine bessere Geschäftsentwicklung in der Zukunft, sagte der Repräsentant der Vereinigung der internationalen Fluggesellschaften (BARIG), Martin Gaebges. Mit der neuen Landebahn seien ab 2011 deutlich mehr Flugbewegungen möglich, so dass die Gebühren pro Flug und Passagier geringer ausfallen könnten. Es müsse nun ein Gebührenmodell erarbeitet werden, das verschiedene Wachstumsszenarien berücksichtige.

Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) begrüßte das Ergebnis der Anhörung. "Das größte privat finanzierte Investitionsprojekt in Deutschland, der umfassend geplante Aus- und Neubau des Frankfurter Flughafens, fordert zwangsläufig von allen Beteiligten besondere Anstrengungen. Die Belastungen müssen aber auch ins ökonomische Umfeld passen und für die Fluggesellschaften verkraftbar sein", erklärte er in Wiesbaden. Die Vereinbarung bringe Planungssicherheit für beide Seiten.

Auch nach der Einigung hält Fraport an seinem Gewinnziel für 2010 in Höhe von 600 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fest. Die Fraport-Aktie setzte ihren Höhenflug kurz nach den Nachrichten weiter fort und notierte zuletzt mit 5,15 Prozent im Plus bei 34,68 Euro. Die Lufthansa-Aktie lag nach einem kurzen Kurssprung wieder ähnlich wie zuvor mit 2,26 Prozent im Plus bei 10,87 Euro. (dpa)

 
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