27.05.2009 | Transport + Logistik

Fraport rechnet mit Erholung in 2010

Frankfurt/Main. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport geht nach dem Einbruch bei den Passagierzahlen zum Jahresauftakt von einer Erholung im kommenden Jahr aus. „Wir rechnen damit, dass ab 2010 ein nachhaltiger Erholungstrend einsetzt, der dann weltweit wieder wachsende Luftverkehrszahlen bringen wird“, sagte der Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Frankfurt.

Im ersten Quartal war die Zahl der Passagiere in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10,9 Prozent auf knapp elf Millionen gesunken. Im April lag das Passagier-Minus bei 4,7 Prozent, der Frachtrückgang sogar bei 25 Prozent. „Der Passagiertrend setzte sich im Mai fort, und der Frachtsektor zeigte mit Rückgängen um rund 15 Prozent zumindest eine leichte Entspannung“, sagte Bender. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet Fraport mit einem Rückgang der Passagierzahlen in Frankfurt zwischen sechs und neun Prozent.

Für den 64 Jahre alten Bender war die Hauptversammlung seine letzte an der Spitze des MDAX-Unternehmens, da er Ende August nach mehr als 16 Jahren aus Altersgründen abtritt. Aufsichtsrats-Chef Karlheinz Weimar (CDU), der auch Hessens Finanzminister ist, dankte Bender als „Mr. Flughafen“. In der Amtszeit Benders stieg die Zahl der Arbeitsplätze am Frankfurter Flughafen nach seinen Angaben um rund 20.000.

Milliarden-Investitionen angekündigt

Bender betonte, dass der Ausbau des Flughafens um eine vierte Piste und ein drittes Terminal weiterhin notwendig sei. „Selbst heute und trotz rückläufiger Fluggast- und Cargozahlen operieren wir hier in Frankfurt immer noch an der Kapazitätsgrenze.“ Ohne Erweiterung drohe spätestens bei der wirtschaftlichen Erholung der Verlust von Marktanteilen. „Erfahrungsgemäß wird die künftige Verkehrsentwicklung die in diesen Monaten erlittenen Einbußen sogar überkompensieren.“ Die neue Nordwest-Landebahn soll 2011 in Betrieb genommen werden.

Fraport will bis 2015 rund sieben Milliarden Euro in den Frankfurter Flughafen investieren, davon vier Milliarden Euro in den Ausbau und drei Milliarden Euro in die Modernisierung bereits bestehender Anlagen. Der Ausbau sei eines der größten privatwirtschaftlichen Investitionsprojekte Europas. „Dieses privatwirtschaftlich finanzierte "Konjunkturprogramm" wird gerade in den aktuell schwierigen Zeiten erhebliche positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Region Rhein-Main und weit darüber hinaus haben“, sagte Bender. Direkt und indirekt würden rund 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Umsatz und Gewinn voraussichtlich unter Vorjahresniveau

Der Grünen-Politiker Frank Kaufmann, der umweltkritische Aktionäre vertritt, bezeichnete den Ausbau dagegen als ökologisch und ökonomisch unverantwortlich. Er forderte die Fraport auf, das von ihr ursprünglich geplante komplette Nachtflugverbot auch vor Gericht durchzusetzen. Derzeit laufen noch Klagen von Anwohnern und Kommunen, die sich gegen die in der Baugenehmigung erlaubten 17 Nachtflug-Ausnahmen wenden. Ein anderer Aktionär bezweifelte das wirtschaftliche Konzept der Sieben-Milliarden-Euro-Investitionen. Er fragte, wie das Unternehmen nach 2015 dann überhaupt noch eine Dividende zahlen könne.

Umsatz und Gewinn des Unternehmens werden nach Einschätzung Benders dieses Jahr unter dem Vorjahresniveau liegen. Trotzdem wolle man auch im Krisenjahr 2009 ein „zufriedenstellendes Ergebnis“ erreichen. Das Unternehmen schlug den Aktionären vor, die Dividende für 2008 unverändert bei 1,15 Euro pro Aktie zu belassen. Gut die Hälfte der Fraport-Anteile gehören dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt, die Deutsche Lufthansa hält einen Anteil von rund zehn Prozent. (dpa)

 
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