18.02.2009 |

Fraport räumt Protestcamp im Wald am Flughafen

Frankfurt/Main. Das Widerstandscamp der Gegner des Frankfurter Flughafenausbaus ist am Mittwoch im Kelsterbacher Wald weitgehend friedlich geräumt worden. Wie die Polizei berichtete, hielten sich kurz nach Mittag nur noch wenige Demonstranten in Baumhäusern auf. Zuvor hätten die Polizeikräfte aus einem Baumhaus der Umweltorganisation „Robin Wood“ fünf Menschen unter Einsatz einer Hebebühne abtransportiert. Vier von ihnen hatten sich angekettet, Spezialkräfte mussten ihre Fesseln durchtrennen.

Ein Gerichtsvollzieher hatte am Morgen gegen 8.00 Uhr den rund 25 Ausbaugegnern den Räumungsbeschluss überbracht, den der Flughafenbetreiber Fraport vor dem Landgericht Darmstadt erwirkt hatte. Das Camp war vor rund einem Dreivierteljahr im Mai 2008 eingerichtet worden, um gegen den Bau einer vierten Start- oder Landebahn für den Flughafen zu protestieren.

Ein Sprecher der Umweltschutzorganisation „Robin Wood“ berichtete, die Besetzer seien am Morgen um 8.00 Uhr von Beamten umringt worden. Es habe kaum Auseinandersetzungen gegeben. Die Polizei wurde nach eigenen Angaben um Amtshilfe gebeten und schritt bei der Räumung ein, nachdem sich die Demonstranten zunächst geweigert hatten ihr Hüttendorf zu verlassen.

Ein Sprecher von Fraport sagte, die Aktion sei „ruhig und unspektakulär“ verlaufen. Die Camp-Bewohner, die sich am Boden des Geländes aufhielten, hätten es nach der Aufnahme ihrer Personalien verlassen. Zwei von ihnen hielten sich in dem illegalen Camp nach Auskunft der Polizei trotz eines bereits verfügten Aufenthaltsverbots auf.

Die Ausbaugegner hatten seit dem Mai vergangenen Jahres in dem Camp ausgeharrt, wo sie in Zelten lebten und Holzhütten in den Bäumen bauten. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte Anfang Januar einen Eilantrag der Umweltverbandes BUND gegen die Baugenehmigung für die vierte Landebahn abgewiesen und damit die vom Flughafenbetreiber Fraport beantragte Rodung des Geländes im Kelsterbacher Wald zugelassen. Seitdem mussten die Waldbesetzer ständig mit der Räumung des Geländes rechnen. Fraport hat mittlerweile rund 140 Hektar der für den Ausbau benötigten über 240 Hektar Wald im Nordwesten des Frankfurter Flughafens abgeholzt.

Ende Januar hatte der umstrittene Ausbau des größten deutschen Flughafens begonnen. Auf einem 300 Hektar großen Gelände soll die vierte Piste des Flughafens entstehen. Sie wird den Planungen zufolge Ende 2011 in Betrieb gehen und die Flughafen-Kapazität um rund die Hälfte erhöhen. Das Unternehmen will rund vier Milliarden Euro in die neue Bahn und ein neues Terminal investieren. Es ist damit eines der größten Verkehrsprojekte in Deutschland. (dpa)

 
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