05.03.2009 |

Fraport büßt im Krisenjahr 2008 Gewinn ein


Frankfurt/Main. Die weltweite Wirtschaftskrise ist am größten deutschen Flughafen in Frankfurt nicht spurlos vorbeigegangen. Nach einem Jahr mit sinkenden Zahlen für Passagiere, Fracht, Umsatz und Reingewinn rechnet der Flughafenbetreiber Fraport auch für 2009 mit weiter rückläufigen Geschäften, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Auf das Ergebnis des vergangenen Jahres drückten unter anderem steigende Zinsbelastungen und hohe Abschreibungen für das beendete Engagement am Hunsrück-Flughafen Hahn. Den operativen Gewinn konnte Fraport 2008 aber deutlich steigern. Besonders vom Fracht- und Passagierrückgang betroffen ist die Heimatbasis des Unternehmens in Frankfurt. Die Konzernflughäfen außerhalb von Frankfurt – unter anderem in Lima und Antalya – haben sich dagegen besser entwickelt.

Wegen des sinkenden Frachtaufkommens plant Fraport Kurzarbeit. Ab der kommenden Woche sollen 500 Mitarbeiter aus der Frachtabfertigung weniger arbeiten, erklärte Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai. Über das genaue Ausmaß der Arbeitszeitverkürzung stehe man noch in Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Es sei vereinbart, dass die betroffenen Mitarbeiter für ihre Kurzarbeitszeiten 90 Prozent des letzten Nettos erhalten.

Erst für das Jahr 2010 rechnet das Management in Frankfurt wieder mit deutlich steigenden Verkehrszahlen. „Wir rechnen damit, dass spätestens im zweiten Quartal 2010 ein nachhaltiger Erholungstrend einsetzt, der dann weltweit wieder wachsende Luftverkehrszahlen bringen wird“, sagte Vorstandschef Wilhelm Bender. Erfahrungsgemäß werde dieses Wachstum die erlittenen Einbußen mehr als ausgleichen. Der 2009 zu erwartende Umsatzrückgang solle sich nur unterproportional auf die Gewinnzahlen auswirken, sagte Bender.

Nach den am Donnerstag vorgestellten Geschäftszahlen 2008 war der Umsatz des Fraportkonzerns von 2,32 auf 2,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg um 7,5 Prozent auf 360,7 Millionen Euro, während der Konzerngewinn wegen des negativen Finanzergebnisses um 15,7 Prozent auf 180,2 Millionen Euro fiel. Die Dividende soll stabil bei 1,15 Euro pro Aktie bleiben.

Im Jahr zuvor hatte ein hoher Einmaleffekt aus dem Neubauprojekt Airrail Center die Umsatzzahlen nach oben getrieben. Außerdem hatte sich der Fraport-Konzern im April 2008 von seiner Sicherheits-Dienstleistungstochter ICTS getrennt, die zuletzt rund 320 Millionen Euro im Jahr zum Umsatz beigetragen hatte.

Ebenfalls noch im Geschäftsjahr 2008 wirksam sind die Verluste aus der Beteiligung am Hunsrück-Flughafen Hahn. Hier musste Fraport rund 23 Millionen Euro abschreiben. Das Unternehmen hat seine Anteile rückwirkend zum Jahresende 2008 an das Land Rheinland-Pfalz abgegeben. Die Gesamtverluste aus der Beteiligung bezifferte Bender auf 140 Millionen Euro. Auch für die Beteiligung am Flughafen Hannover gab es im Geschäftsjahr 2008 wegen rückläufiger Verkehrsprognosen eine Wertberichtigung um 16,6 Millionen Euro, so dass vom Bund gezahlte Erstattungen (41,9 Millionen) für das misslungene Manila-Engagement der Fraport nahezu aufgebraucht wurden.

Bender verteidigte den Ausstieg am Hahn. Nachdem das Land Rheinland-Pfalz die Einführung einer Terminalgebühr nicht mittragen wollte, sei ein Erreichen der Gewinnzone bis 2010 nicht möglich gewesen, erklärte Bender. Gleichwohl habe man an dem ehemaligen Militärflughafen viel erreicht, den Einstieg möglicher Konkurrenz verhindert und tausende Arbeitsplätze geschaffen. Es werde bei einer Zusammenarbeit bleiben.

Die Aktie des MDAX-Unternehmens reagierte zunächst mit einem Kursrückgang auf die Zahlen. Im frühen Handel sank das Papier auf 24,49 Euro und lag damit um 2,27 Prozent unter dem Vortageswert. Am Vortag hatte der Titel noch um mehr als acht Prozent zugelegt.

Für den Ausbau des Frankfurter Flughafens mit einer vierten Piste hat Fraport wie angekündigt bereits die Hälfte der benötigten Waldfläche gerodet. Man sei im Plan und könne trotz vorübergehend sinkender Verkehrszahlen nicht auf den Ausbau verzichten, sagte Bender. Bereits im Sommer will das Unternehmen mit dem Bau der Flugzeugbrücken über die Autobahn A3 beginnen. Die Landebahn soll zum Winterflugplan 2011 in Betrieb gehen. Bis ins Jahr 2015 plant Fraport Investitionen von zusammen sieben Milliarden Euro für Terminals und die neue Landebahn. Laut Finanzvorstand Matthias Zieschang will das Unternehmen rund drei Milliarden aus dem eigenen freien Mitteln bestreiten und hat sich bereits am Kapitalmarkt 2,2 Milliarden Euro gesichert. (dpa)

 
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