09.12.2009 |

Fehlende Elbvertiefung wird zur Existenzbedrohung für Hafen Hamburg

Hamburg. Der durch die Weltwirtschaftskrise bedingte deutliche Umschlagmengeneinbruch im Hamburger Hafen könnte nach dem Ende der Krise zu einem dauerhaften „strukturellen Problem“ für den Hamburger Hafen werden. Der Grund: Die nautische Erreichbarkeit von Deutschlands Seehafen Nummer eins wird durch das Ausbleiben der Elb-Fahrrinnenanpassung schon jetzt immer problematischer für die Terminals und die Reedereien. Letztere setzen im beschleunigten Maße Großcontainerschiffe mit mehr als 10.000 Standardcontainer (TEU), die die heutigen Schiffe mit 8000 bis 9000 TEU ersetzen.

Die Gefahr, dass nach dem bereits in diesem Jahr erfolgten Abwandern zahlreicher Feeder-Verkehre von Hamburg in die Westhäfen im nächsten Schritt auch die großen Reeder „einen Bogen um Hamburg“ machen, wächst nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi mit großem Tempo. „Die zögerliche Verkehrspolitik wird mit Arbeitsplätzen bezahlt. Jeder Monat, in dem nichts passiert, kostet Jobs im Hafen“, beschrieb Verdi-Landeschef Wolfgang Rose heute in Hamburg die Situation im größten deutschen Universalhafen.

Der Verdi-Landeschef „vermisst“, dass sich der Hamburger Senat mit Nachdruck dafür einsetzt, dass die Fahrrinnen-Anpassung, über die seit knapp zehn Jahren diskutiert werden, wirklich vorankommt. Rose kritisierte: „Der Senat findet starke Worte, wenn es um den Klimaschutz geht. Ich vermisse sie, wenn es um das Herz der Hamburger Wirtschaft, den Hafen, geht.“ Bürgermeister Ole von Beust (CDU) müsse das Thema endlich „zur Chefsache“ im Rathaus machen. Für Verdi ist es ein Muss, dass die Fahrrinnen-Anpassung noch 2010 in Angriff genommen wird. Hamburg müsse sowohl Druck beim Bund als auch bei der Landesregierung in Niedersachsen machen. Schließlich wirke sich der Erfolg – oder auch Misserfolg – des Hamburger Hafens auf den gesamten norddeutschen Raum aus.

Wie groß schon heute der Handlungsdruck ist, beschrieb Thomas Mendrzik, Betriebsratsvorsitzender beim CTA (Container- Terminal Altenwerder), für den mit Abstand modernsten Terminal im Elbehafen. Wöchentlich würden nur auf den Fernostdiensten pro Woche zwischen fünf und sechs Schiffe abgefertigt, die tiefgangskritisch sind und deren Kapitäne zusätzlich mit einem „Begegnungsverbot“ auf der Elbe zu kämpfen haben, weil die Fahrrinnenbreite dafür nicht ausreicht. Damit die Schiffe alle in den knappen Zeitfenstern abgefertigt werden können, wachse der Arbeitsdruck auf dem Terminal – und damit auf dem einzelnen Mitarbeiter – immer stärker.

Die von Hamburgs Wirtschaftssenator gemeinsam mit der HPA (Hamburg Port Authority) am Freitag vergangener Woche vorgestellte neue Hafenentgeltstruktur, mit der Reederkunden bei der Stange gehalten werden sollen, sei zwar begrüßenswert. „Das allein wird aber den Negativtrend nicht stoppen“, betonte Dietmar Stretz, Verdi-Fachbereichsleiter Verkehr. Nach Erkenntnissen der Gewerkschaft betragen die Mindereinnahmen von HPA durch den neuen Tarif gerade einmal zwei Millionen Euro im Jahr.

Die Betriebsratsvorsitzenden der großen Hamburger Containerterminals von Eurogate und HHLA sowie des Gesamthafenbetriebes (GHB) berichteten auf der Pressekonferenz von der wachsenden Unruhe unter den Hafenbeschäftigten. „Wir haben als Hafenarbeiter unsere Arbeit gemacht und als Tarifvertragsparteien Instrumente entwickelt, um Beschäftigung zu sichern und um für die Zukunft gerüstet zu sein“, legte Bernt Kamin, GBH-Betriebsratschef dar. In dem Hafenarbeiter-Pool sind derzeit rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Auch HHLA-Konzernbetriebsratschef Arno Münster wie auf die großen Weiterbildungsleistungen der Arbeitnehmer gerade in den zurückliegenden Monaten hin. Am Ende könnten top-ausgebildete Hafenfacharbeiter stehen, die nur eines nicht mehr haben: einen Arbeitsplatz, so die Sorgen der Arbeitnehmer-Vertreter.

Auch das machten die auf der Pressekonferenz anwesenden Betriebsratschefs klar: Die Arbeitnehmer sind dazu bereit, durch „phantasievolle Aktionen“ gegenüber dem Hamburger Senat deutlich zu machen, dass sie nicht tatenlos zusehen werden, wie aus dem „Jobmotor Hafen ein Jobkiller Hafen“ wird. (eha)

 
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