08.09.2009 | Transport + Logistik

Exportweltmeister Deutschland rappelt sich auf

Wiesbaden. Der Exportweltmeister Deutschland rappelt sich nach dem Absturz vom Jahresbeginn wieder auf. Nach monatelangen schlechten Zahlen springen die Ausfuhren deutlich an. Im Ferienmonat Juli verkauften die Exporteure Waren „Made in Germany“ im Wert von 70,5 Milliarden Euro ins Ausland, das waren 2,3 Prozent mehr als im Monat zuvor, meldete das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden. Damit setzte sich der positive Trend vom Juni (plus 6,1 Prozent) fort. Wie groß der Rückstand aber immer noch ist, zeigt der Vergleich zum Vorjahr mit einem Minus von 18,7 Prozent. Die Importe blieben im Juli nahezu unverändert gegenüber dem Vormonat.

Das Niveau der deutschen Ausfuhren liegt damit immer noch um fast ein Viertel unter dem des Boomjahres 2008. „Das Schlimmste ist aber überstanden“, kommentierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen die Zahlen. Der Außenhandel werde im dritten Quartal wieder zum Wirtschaftswachstum beitragen. Die Commerzbank erwartet für den Herbst ein starkes Konjunkturwachstum von real 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Nach dem Zuwachs im Frühjahr mit 0,3 Prozent würde Deutschland damit endgültig aus der Rezession herauskommen.

An den guten Aussichten dürften auch die schwachen Zahlen zur Industrieproduktion nichts ändern, die laut Wirtschaftsministerium im Juli auf Monatssicht überraschend um 0,9 Prozent gefallen ist. Volkswirte sehen die frühen Sommerferien als Hauptgrund für die schlechten Zahlen und rechnen im August mit einer Gegenbewegung. Vor allem der Bau und die Energiebranche hätten im Juli ihre Produktion gedrosselt.

Export: Antriebsfeder der deutschen Wirtschaft

Der Export wird somit wieder zur Antriebsfeder der deutschen Wirtschaft. Deutschland verkauft mehr Produkte ins Ausland als es aus dem Ausland erhält. Der Überschuss in der Handelsbilanz - dem Saldo von Exporten und Importen - lag im Juli mit 13,9 Milliarden Euro fast genau so hoch wie ein Jahr zuvor (14 Mrd Euro). Die Nachfrage der wichtigsten Abnehmer in der EU sank seit Jahresbeginn etwas stärker als bei Nicht-EU-Ländern.

Zu Euphorie bestehe aber kein Anlass, warnte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. Besonders auffällig sei der Rückgang bei den Importen aus Nicht-EU-Ländern. „Diese Importe sind im Vorjahresvergleich um ein Viertel eingebrochen und verweisen auf die anhaltend schwache Nachfrage nach Vorleistungsgütern in Deutschland“, sagte Börner.

Die Gewinne aus den Export-Milliarden scheinen bei den deutschen Arbeitnehmern nicht anzukommen: Die Einkommen in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren deutlich schlechter entwickelt als in den meisten EU-Ländern. Laut eines neuen EU-Berichts zur europäischen Einkommensentwicklung stiegen die Einkommen in Deutschland 2008 real nur um 0,1 Prozent, berichtet die Tageszeitung „Die Welt“. 2007 seien die Reallöhne sogar um 0,1 Prozent zurückgegangen. Damit gehöre Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Vor allem Frauen haben weniger Geld auf ihrem Gehaltskonto. Sie verdienen laut Wiesbadener Statistik 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. (dpa)

 
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