15.10.2007 |

Experte: Problem der Schiffsemissionen überbewertet

Flensburg. Das Problem der Schiffsemissionen wird nach Expertenansicht überbewertet. „Es ist schizophren, die Schifffahrt auf die Anklagebank zu setzen. Der Anteil ist bezogen auf das Transportvolumen verschwindend gering“, sagte Peter Boy, Direktor des Instituts für Schiffsbetriebsforschung an der Fachhochschule Flensburg. Allerdings befürworte auch er, den Schadstoffanteil im Schweröl weiter zu verringern. „Wenn Potenzial drin ist, muss etwas gemacht werden.“ Das Schiff sei zwar das umweltfreundlichste Verkehrsmittel; da jedoch in anderen Bereichen der Schadstoffausstoß geringer werde, steige der Anteil der Schiffemissionen gemessen am Gesamtausstoß an. Einer der Hauptsponsoren des Flensburger Instituts ist der schweizerische Schiffsmotorenhersteller ABB Turbo Systems.

Derzeit sind weltweit rund 3,5 Millionen Schiffe unterwegs, der Großteil davon wird mit schwefelhaltigem Schweröl betrieben. Die Abgase werden für sauren Regen mitverantwortlich gemacht, zudem steigt die Feinstaubbelastung. Nach Angaben von Boy sind die Emissionsauflagen in der Schifffahrt deutlich laxer als auf der Straße. Auf den Weltmeeren gilt ein maximaler Schwefelanteil von 4,5 Prozent. In Nord- und Ostsee sowie anderen Regionen sind es 1,5 Prozent. Umweltverbände fordern, die Grenze auf bis zu 0,1 Prozent zu verringern. „Wenn man für einen schwefelfreien Kraftstoff plädiert, hat es nur Sinn, wenn es weltweit eingeführt wird“, betonte Boy. Die Schwefelwolken würden sich nicht an Ländergrenzen halten. Ein europäischer Alleingang führe zu Wettbewerbsnachteilen.

Um schädliche Schwefelanteile nicht weiter in die Luft zu blasen, müssen diese entweder bereits bei der Herstellung des Kraftstoff herausgefiltert oder aber nach der Verbrennung aus den Abgasen gewaschen werden. „Die erste Variante kostet zusätzliche Energie, so entsteht eine ungünstigere Energiebilanz“, erklärte Hark-Okke Diederichs, Professor für Maschinen und Anlagentechnik in Flensburg. Beim Auswaschen der Schwefelstoffe stehe das Problem der Entsorgung im Vordergrund. In den Schiffen müssten große Lagerräume bereitgehalten werden. Dies verringere den Laderaum für Waren und mache den Transport teurer. (dpa/sb)

 
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