29.06.2009 |

Experte: Containerschiffe fahren weiter langsam

Flensburg. Die hohen Treibstoffkosten im vergangenen Sommer haben aus Sicht von Experten bei Reedern zu einem Umdenken bei der Reisegeschwindigkeit ihrer Schiffe geführt. Damals hatten die Kapitäne die Geschwindigkeit von Containerschiffen von durchschnittlich 25 auf 18 Knoten (etwa 33 Kilometer pro Stunde) reduziert („slow steaming“). „Das Argument des teuren Treibstoffs ist nicht mehr da“, sagte der Direktor des Instituts für Schiffsbetriebsforschung an der Fachhochschule Flensburg, Peter Boy, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dennoch werde die Geschwindigkeit oftmals nicht wieder gesteigert.

Der Grund für die Beibehaltung des „slow steamings“ liege auch in der Wirtschaftskrise, betonte der Wissenschaftler. Die Kraftstoffkosten machten den weitaus größten Teil der Betriebskosten aus. Bei reduzierter Reisegeschwindigkeit seien die Betriebskosten dann niedriger, als wenn die Schiffe im Hafen festmachten. „Deshalb wollen die Reeder so viele Schiffe wie möglich fahren lassen.“ Rund 100 Experten von Reedereien, Werften, Zulieferbetrieben und Hochschulen hatten am vergangenen Wochenende auf der 31. Jahrestagung des Instituts für Schiffsbetriebsforschung über neue Entwicklungen und Erfahrungen in der Schiffsbetriebstechnik diskutiert.

Die verminderte Geschwindigkeit führe auch zu motortechnischen Veränderungen, erklärte Boy. „Die Frage ist zum Beispiel, ob man den Turbolader abschalten oder modifizieren soll.“ Zudem könnten bei dauerhaft reduzierter Fahrt schwächere und damit verbrauchsärmere Motoren eingebaut oder der Wulstbug am Rumpf des Schiffes getauscht werden. Dies entscheide sich vornehmlich daran, ob das „slow steaming“ nur kurz- oder mittelfristig eingesetzt werden solle. Zudem trage es auch dazu bei, die Umwelt nicht stärker zu belasten. „Emissionsvermeidung ist ein Dauerthema“, betonte der Wissenschaftler.

So werde in der Branche weiter über die Stromversorgung von Schiffen diskutiert, während sie im Hafen liegen. Derzeit erfolgt diese noch über den Schiffsmotor. „Mit Landkabeln wäre zwar keine Emissionsvermeidung, aber eine Emissionsverlagerung möglich“, sagte Boy. Allerdings sei es schwierig, sich weltweit auf einheitliche Spannungen, Stecker und Frequenzen zu einigen. „Die Alternative sind Gasmotoren auf Schiffen“, sagte er. (dpa)

 
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