Amsterdam/Hamburg. Die Entscheidung über eine Auslieferung somalischer Piraten aus den Niederlanden nach Hamburg fällt voraussichtlich frühestens im Juni. Sie kann sich aber durchaus noch weiter hinziehen. An diesem Freitag (21. Mai) will sich das zuständige Gericht in Amsterdam zunächst bei einer Anhörung mit den Argumenten beschäftigen, die die Verteidiger der zehn Somalis gegen eine Überstellung an Deutschland vorbringen, sagte eine Gerichtssprecherin der Nachrichtenagentur dpa. „Danach haben die Richter zwei Wochen Zeit für eine Entscheidung."
Dagegen könne aber wiederum Einspruch erhoben werden, hieß es in Justizkreisen. Die Verdächtigen hatten auf Anraten ihrer Pflichtverteidiger Widerspruch gegen Auslieferungsanträge der Hamburger Staatsanwaltschaft eingelegt. „Eine beschleunigte Überstellung war dadurch unmöglich geworden", erläuterte Gerichtssprecherin Ruth Gorissen.
Die Piraten hatten kurz vor Ostern rund 500 Seemeilen von der somalischen Küste entfernt das deutsche Containerschiff „Taipan" gekapert. Am 5. April wurden sie bei einer Befreiungsaktion der niederländischen Marine überwältigt und festgenommen. Neun Tage später wurden sie mit dem Ziel einer raschen Überstellung an die deutsche Justiz von der niederländischen Luftwaffe nach Holland gebracht und dort in Untersuchungshaft genommen.
Die Haftbefehle der Hamburger Staatsanwaltschaft lauten auf versuchten erpresserischen Menschenraub und Angriff auf den Seeverkehr, worauf allein mindestens fünf Jahre Freiheitsentzug stehen. Das geplante Verfahren vor dem Landgericht der Hansestadt habe „historische Bedeutung", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers. „Zum ersten Mal seit 600 Jahren müssen sich mutmaßliche Piraten in Hamburg vor Gericht verantworten."
Einer der Verdächtigen sei noch ein Jugendlicher, berichtete Möllers. „Wir gehen davon aus, dass er zur Tatzeit mindestens 15 Jahre alt war." Sein Verteidiger habe dagegen erklärt, er sei erst 13. Bei einem Altersgutachten sei aber festgestellt worden, dass er mindestens zwei Jahre älter sei. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen zahlreiche Beweismittel von den niederländischen Behörden erhalten - etwa Waffen und Geschossteile. Außerdem wurde der Kapitän vom Bundeskriminalamt vernommen. (dpa)