Einfach mal abtauchen!

02.05.2013 22:13 Uhr
Nur wer der Arbeit Grenzen setzt, bleibt auf Dauer leistungsfähig.

Tagträumen nachhängen, angeln oder stundenlang in der Badewanne planschen – das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Nur wer das versteht, bleibt auf Dauer leistungsfähig. Und Glücklich.

München. Per Handy immer und überall erreichbar, wahre Mailfluten überrollen einen, gleichzeitig müssen mindestens fünf Aufgaben erledigt werden – und das am besten bis vorgestern: So oder ähnlich sieht bei vielen Deutschen der Arbeitsalltag aus. Abends kommt man abgehetzt nach Hause, das Gewissen quält, weil man mal wieder nur einen Bruchteil der Arbeit geschafft hat. Im Geiste stellt man bereits die To-Do-Liste für den morgigen Tag zusammen. Abschalten und entspannen – Fehlanzeige!

Dabei bleiben nur die wirklich produktiv, die der Arbeit klare Grenzen setzen. Work-Life-Balance heißt das Zauberwort. Dem Dauerstress im Job zu entkommen ist aber nicht einfach. „Zeitmangel ist eine der häufigsten Stressquellen, denn die meisten Menschen planen für einen Tag mehr ein als sie schaffen können“, sagt Kerstin Reviol, Fachliche Leiterin Arbeitspsychologie bei der Tüv Süd Life Service. Ein sorgfältig geführter Terminplan kann das verhindern. Neben beruflichen Verpflichtungen sollten private Erledigungen und entspannende Pausen eingetragen werden.

Junge sind „anfälliger“

Übrigens leiden gerade Berufsanfänger und Young Professionals unter Überforderung und Stress bei der Arbeit. Denn die neigen besonders zur „freiwilligen“ Selbstausbeutung. Hochmotiviert arbeiten sie oft die ersten Jahre über die eigenen Grenzen hinaus. „Spätestens nach drei bis vier Jahren rächt sich dies“, warnt Kerstin Reviol. Deshalb lernen die jungen Leute in speziellen Tüv Süd-Kursen, dass die Anforderungen im Arbeitsleben vergleichbar mit einem „Marathon“ sind – und nicht mit einem „Sprint“. Auf die Karriere verzichten muss man trotzdem nicht. Im Gegenteil: Nur, wer entspannt und gesund ist, kann sein Bestes geben.

Und hier kommen die Arbeitgeber ins Spiel. Die können nämlich einiges tun, um eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Aber haben die Unternehmen das Thema überhaupt auf dem Schirm? „Die Gesundheit der Beschäftigten gehört unbestritten zu den Kernthemen des 21. Jahrhunderts“, sagt Andreas Tautz, Chief Medical Officer von Deutsche Post DHL. Schließlich führen Ausfälle – bedingt durch Burnout – auch zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen. Stress-Seminare und psychologische Beratung sind nur zwei der Angebote, die Mitarbeitern deshalb geboten werden.

Familie ist vielen wichtig

Zudem hat die Deutsche Post DHL die Wünsche der jungen Mitarbeiter genau im Blick. „Wir haben bei Berufsanfängern und Young Professionals festgestellt, dass sie großen Wert auf eine Balance zwischen Berufs- und Privatleben, flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legen“, sagt Tautz.

Auch Lufthansa Cargo nimmt die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern nach eigenen Angaben ernst. „Wir legen sehr großen Wert auf eine Kultur, in der Urlaube, freie Tage sowie die Ruhezeiten wirklich arbeitsfrei sind“, erklärt Michael Göntgens von Lufthansa Cargo. Im Fokus stehen ebenso junge Mitarbeiter. „Der Umgang mit Stress ist – auch bei Berufseinsteigern – von Person zu Person sehr unterschiedlich“, so Göntgens. Deshalb würden bereits in Ausbildungs- und Traineeprogrammen Seminare und Angebote zu Themen wie Zeitmanagement integriert. (ts)

 

Was Stress mit unserem Körper anrichtet

Dauerstress macht krank: Der menschliche Körper reagiert mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Beschwerden auf Zeitdruck, ständige Verfügbarkeit und Konflikte:

— Konzentration und Gedächtnisleistung nehmen ab, Ängste und das Risiko einer Depression zu.

— Dauerhafte Anspannung sowie die Hormone Adrenalin und Corisol lassen den Blutdruck und

den Puls steigen – und damit das Schlaganfallrisiko.

— Steht jemand ständig unter Strom, verkrampfen die Muskeln. Rücken-, Schulter und Nackenschmerzen sind vorprogrammiert.

— Auch auf die Ohren kann sich Stress auswirken. Viele Stressgeplagte hören ein ständiges Pfeifen, Rauschen oder Summen.

— Das Immunsystem wird geschwächt: Die Gefahr steigt, an Infektionen und Erkältungen zu erkranken. Oft verschlimmern sich zudem Krankheiten wie Asthma, Rheuma oder Allergien.

— Stress schlägt auf den Magen. In stressigen Zeiten wird der Magen schlechter durchblutet, weshalb sich die Schleimhäute entzünden und Geschwüre entstehen können.

— Auch der Darm wird in Mitleidenschaft gezogen – Durchfall oder Verstopfung können die Folge sein. Gerade Reizdarmpatienten leiden besonders darunter.

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