Ein System, an dem jeder mitverdient

19.09.2011 12:43 Uhr

Wer vor dem Fernseher seinen Feierabend genießen wollte, wurde vor wenigen Wochen böse überrascht. Eine TV-Reportage deckte schonungslos den Alltag von Paketzustellern auf, die ihren Angaben zufolge so niedrige Entgelte erhalten, dass sie sich nicht einmal kranken- und rentenversichern können. Die Sündenböcke waren auch schnell ausgemacht. Schuld sind die großen Paketdienste, weil sie dieses Elend hinnehmen, um ihre eigenen Gewinne zu maximieren.

Doch so einfach ist die Welt nicht. An den gezeigten Missständen im Paketgeschäft ist jeder schuld. Hermes-Deutschland-Chef Hartmut Ilek sagt nicht zu Unrecht, dass Endverbraucher für die Nutzung eines Parkhauses bereit sind, pro Stunde fünf Euro zu zahlen, ein 20-Kilo-Paket von Flensburg nach Oberstdorf darf hingegegn nicht mehr als vier Euro kosten. Aber auch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn viele Kunden wissen gar nicht, wie viele Glieder in der Logistikkette an ihren vier Euro mitverdienen müssen: der Paketdienst, der Depot-Betreiber, ein häufig dazwischengeschalteter Subunternehmer und schließlich der Zusteller selbst.

Ein solches System kann aber nur funktionieren, wenn es genügend Menschen mittragen. Das fängt bei der Höhe des Paketpreises an und hört bei der Leidensfähigkeit des einzelnen Zustellers auf. Höchste Zeit also, dass die Paketpreise endlich steigen. Höchste Zeit aber auch, dass Zusteller Aufträge endlich ablehnen, die ihre Kosten nicht decken. Klar, braucht es dafür Mut. Vor allem setzt ein solches Nein das notwendige fachliche Wissen voraus. Solange der Gesetzgeber aber keinen fachlichen Nachweis von Unternehmern fordert, die Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen einsetzen, wird es also (leider) immer einen geben, der für einen Hungerlohn bereit ist, Pakete zuzustellen. Höchste Zeit also, dass auch der Gesetzgeber handelt.

Eva Hassa, Redakteurin 

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