25.08.2010 | Transport + Logistik

Deutsche Post will keine Pakete mehr zustellen

Bonn. Die Deutsche Post will bei der Zustellung sparen: Aus Kostengründen prüft der Konzern eine vollständige Auslagerung der Paketlieferung an die Haustür. Die Deutsche Post könnte dadurch über preiswerte Partnerfirmen bis zu 140 Millionen Euro im Jahr einsparen, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Dabei handelt es sich um erste Überlegungen zu Einsparungen, die im Konzern wegen des Wettbewerbsdrucks und billigerer Löhne bei Konkurrenzfirmen intern angestellt wurden. Entscheidungen über konkrete Maßnahmen seien damit noch nicht verbunden, sagte ein Unternehmens-Sprecher am Mittwoch.

Solche „Gedankenspiele" zur Fremdvergabe seien verfrüht, sagte die Sprecherin der Gewerkschaft Verdi, Cornelia Haß. Bis Ende 2011 seien noch Tarifregelungen gültig, die einen solchen Schritt und ein eigenmächtiges Vorgehen der Deutschen Post ausschlössen. Auch die Paketboten seien bis dahin vor Kündigungen geschützt. Ähnlich äußerte sich auch der Deutsche-Post-Sprecher. Falls der Ex-Monopolist konkretere Pläne für Sparmaßnahmen im gesamtem Briefsegment – auch mit der Paketzustellung - habe, würden diese auch mit den Sozialpartnern abgesprochen.

Es sei bekannt, dass der Konzern im stagnierenden heimischen Briefzustellgeschäft unter Kostendruck stehe, sagte Haß. „Wir sind aber optimistisch, dass es bei der Fremdvergabe keine dramatischen Ausmaße geben wird." Darüber werde 2011 in neuen Tarifverhandlungen zu entscheiden sein.

Die Sparüberlegungen betreffen laut „FAZ", die sich auf ein ihr vorliegendes internes Vorstandspapier beruft, größere Städte, in denen Briefe und Pakete getrennt zugestellt werden. In den meisten ihrer 6800 Zustellbezirke setzt die Deutsche Post dafür eigene Mitarbeiter als Paketboten ein. Allerdings hat sie schon in der vergangenen Tarifrunde mit der Gewerkschaft Verdi eine moderate Ausweitung der Fremdvergabe durchgesetzt. Danach dürfen 990 Zustellbezirke im Paketversand an Fremdfirmen vergeben werden. Nach Angaben des Post- Sprechers hat der Konzern dieses Limit aber noch nicht ausgereizt: Bisher seien erst rund 800 Zustellbezirke fremdvergeben.

Die Post will mit Sparmaßnahmen den anhaltend rückläufigen Gewinnen in der Briefsparte begegnen. Briefvorstand Jürgen Gerdes hat laut „FAZ" das Management angewiesen, „wirklich jeden Stein umzudrehen", um die Kosten weiter zu senken. Der große Lohnkostenabstand zu den Konkurrenten sei der wichtigste Wettbewerbsnachteil für den Marktführer. (dpa) 

 
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