06.06.2008 | Transport + Logistik

DB-Teilprivatisierung: Sondersitzung schafft Klarheit

Berlin. Bei der Teilprivatisierung der Deutschen Bahn sollen die Einzelsparten für den Regional-, Fern- und Güterverkehr nun doch nicht einzeln verkauft werden dürfen. Dies sieht der überarbeitete Entwurf für den Beteiligungsvertrag zwischen Bund und Bahn vor, wie Bundestagsabgeordnete heute in Berlin nach Sondersitzungen des Verkehrs- und des Haushaltsausschusses berichteten.

Danach gehören diese Sparten dauerhaft zu 100 Prozent der neuen Bahntochter DB Mobility Logistics. In dieser Gesellschaft werden die Transportsparten gebündelt. Sie soll im Herbst zu 24,9 Prozent an die Börse gebracht werden. Zuvor hatte es vor allem aus der Opposition Kritik an einem Entwurf gegeben, der den Verkauf einzelner Sparten bis zu 49,9 Prozent ermöglicht hätte.

Die Koalitionsmehrheit in den Ausschüssen nahm die jüngste Vertragsversion zustimmend zur Kenntnis. Die Oppositionsfraktionen FDP, Grüne und Linke lehnten den Vertragsentwurf trotz der Änderungen ab. Sie setzten eine Expertenanhörung durch, in der der Vertrag nochmals unter die Lupe genommen werden soll. Die FDP will prüfen, ob sie eine einstweilige Verfügung beim Bundesverfassungsgericht beantragt.

Der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring nannte es einen Skandal, dass der Beteiligungsvertrag nicht nur zwischen Bund und Bahnkonzern geschlossen werde, sondern dass auch die DB Mobility Logistics selbst am Vertrag beteiligt werden solle. Die Tochter erhalte „damit eigene vertragliche Rechte, mit denen sie die zukünftigen Gestaltungsrechte des Bundes“ als Alleineigentümer des Konzerns behindern kann.

Wie die FDP bemängelte auch die Linke-Abgeordnete Dorothée Menzner, dass für den Vertrag keine Kündigungsfrist festgelegt worden sei. Er gelte auch nicht für die Dienstleistungstöchter der Bahn, die somit vollständig von privaten Investoren übernommen werden könnten, sagte Menzner.

Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann wies darauf hin, dass es für die Aufteilung des Privatisierungserlöses in dem Vertrag keine Festlegung gebe. Damit sei fraglich, ob tatsächlich wie geplant ein Drittel in den Bundeshalt, eines in Investitionen und ein Drittel an die Bahn fließen werde. Wenn die Bahn einen Milliardenbetrag für die Aufstockung ihres Eigenkapitals erhalte, bleibe für den Bund „am Ende womöglich nur ein lächerlich geringer Betrag übrig“, mutmaßte er. (dpa)

 
Anzeige
 

Weitere Informationen

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

06.06.2008Artikelinformationen

Social Networking
Bildnachweis
(Foto: ddp)

VerkehrsRundschau mobil

Gefahr/gut-Umfragegewinnspiel

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage zur IMO Erklärung teil.

Sichern Sie sich einen von drei BestChoice-Einkaufsgutscheinen im Wert von 50,-€, einlösbar bei 200 Partnern in über 25.000 Filialen.

[Jetzt teilnehmen]

Beliebteste Meldungen

Beliebteste Galerien

Nachwuchsinitiative

Hallo Zukunft!

VerkehrsRundschau, Trucker und Gefahr/gut vermitteln zwischen Schülern, Lehrern und Unternehmen für eine Zukunft in der Logistik [Mehr Infos über Ausbildung in der Logistik]

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 21.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Glastaxi meint: Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und...[mehr…]
  • 19.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Jürgen Auth meint: Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Transport + Logistik
    Gefährlicher Spatenstich für Bayerns Innenminister
    Deka 1803 meint: Was sagt uns dies: Von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man tunlichst die Finger...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Recht + Geld
    Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz für selbstständige Fahrer
    Thomas Flesch meint: Darf ich jetzt länger fahren?! Laut EU-Recht maximal 90 Stunden Lenkzeit in 2 Wochen und nach diesem...[mehr…]
  • 17.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    hans-ulrich Höfler meint: Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet,...[mehr…]

Twitter: vr_online

Der Twitter-Kanal der VerkehrsRundschau

vr_online auf Twitter abonnieren und unsere Redakteure halten Sie auf dem Laufenden - blitzschnell und kostenlos!
[Follow us!]

Fahrverbotskalender

Europäische Fahrverbote im Überblick

Unser Fahrverbotskalender gibt einen Überblick über die LKW-Fahrverbote in mehr als 25 europäischen Ländern. Der Kalender erscheint quartalsweise als Zugabe zur Printausgabe, er kann aber auch gesondert bezogen werden. Bestellen können Sie den Kalender außerhalb des Abos zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer unter 089/20 30 43 11 00 (Fax -2100) oder per Mail: vertriebsservice@springer.com.