07.04.2010 |

Daimler und Renault-Nissan schmieden Bündnis

Stuttgart/Paris/Brüssel. Der deutsche Autobauer Daimler wagt nach dem gescheiterten Zusammenschluss mit Chrysler erstmals wieder ein großes Bündnis. Der Stuttgarter Konzern wird künftig eng mit Renault und Nissan zusammenarbeiten. Die Unternehmen vereinbarten am Mittwoch eine Überkreuzbeteiligung in Höhe von 3,1 Prozent. Die strategische Allianz sieht unter anderem die Zusammenarbeit bei Kleinwagen und Lieferwagen sowie den Austausch von Motoren vor, wie die Konzerne am Mittwoch mitteilten.

Die vereinbarte gegenseitige Kapitalbeteiligung sieht vor, dass die Renault-Nissan-Allianz einen Anteil von 3,1 Prozent an Daimler erhält. Daimler bekommt einen Anteil von 3,1 Prozent an dem französischen Unternehmen Renault und einen Anteil von 3,1 Prozent an dem japanischen Unternehmen Nissan. Renault hat unabhängig davon vereinbart, 1,55 Prozent der Daimler-Aktien mit Nissan gegen zwei Prozent der Nissan-Aktien zu tauschen. Renault und Nissan werden dadurch jeweils 1,55 Prozent der eigenen Aktien von Daimler halten.

"Wir stärken mit dieser Kooperation schnell und nachhaltig unsere Wettbewerbsfähigkeit im Klein- und Kompaktwagensegment", kommentierte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn erklärte: "Die Renault-Nissan-Allianz hat Erfahrung mit der erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb von Kooperationen und diese Erfahrung hilft uns enorm, heute und mehr noch morgen im globalen Wettbewerb der Automobilindustrie zu bestehen." Renault und Nissan bilden bereits seit 1999 ein Bündnis. Sie haben mit Ghosn denselben Chef und teilen sich Märkte und Kosten. Daimler war mit ähnlichen Projekten mit Mitsubishi und Chrysler gescheitert.

Die Zusammenarbeit bei den Antrieben soll vor allem die gemeinsame Nutzung von Diesel- und Benzinmotoren umfassen. Die Renault-Nissan-Allianz wird Antriebe mit drei und vier Zylindern an Daimler liefern, die dann von Mercedes-Benz angepasst werden. Daimler will so zusätzliche Absatzpotenziale für seine nächste Generation von Kompaktwagen erschließen. Das Bündnis aus Renault und Nissan lastet seine Kapazitäten besser aus.

Alle drei Unternehmen erhoffen sich erhebliche Einsparpotenziale durch eine bessere Auslastung der Werke sowie durch das Teilen von Entwicklungskosten für gemeinsam neu entwickelte Motoren. Im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge werden die Franzosen Mercedes-Benz Vans die Basis für einen neuen Stadtlieferwagen zur Verfügung stellen. Dieser soll im Renault-Werk in Maubeuge gefertigt werden. Bei dem französischen Autobauer Renault ist der französische Staat mit rund 15 Prozent beteiligt. Er hatte in der Vergangenheit für Kredite Standortgarantien verlangt. Sowohl Daimler als auch Renault sind in der Finanzkrise tief in die Verlustzone gerutscht.

Mitarbeiter von Daimler und Renault setzen auf sichere Jobs

Die Mitarbeiter von Daimler und Renault erhoffen sich durch das Bündnis der beiden Autobauer zusätzliche Arbeitsplätze. "Die Arbeitnehmervertreter auf beiden Seiten erwarten von der Kooperation in erster Linie, dass die Beschäftigung in den beteiligten Unternehmen gesichert und ausgebaut wird", teilte Daimler-Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm mit. "Dies muss nun in Form von Vereinbarungen und Produktzusagen auf Werksebene konkretisiert werden."

In einer gemeinsamen Erklärung der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Daimler und im Verwaltungsrat von Renault heißt es: "Die künftigen Projekte basieren auf einer fairen Aufteilung und einer offenen und loyalen Zusammenarbeit." (dpa)

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07.04.2010Artikelinformationen

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