13.07.2010 |

Buch der Woche: Boeing 747

Der Titel und die schiere Größe des Buches (39 x 27,8 Zentimeter) führen einen zunächst etwas in die Irre: Wer glaubt, auf gut 180 riesigen Seiten ausführlichst über die Geschichte der 747 informiert zu werden, liegt falsch. Dazu haben es der Autor Frédéric Beniada und der Fotograf Michel Fraile zu allgemein angelegt.

Zwar startet das Buch mit einigen Bildtafeln der 747, springt dann aber ganz an den Anfang der Boeing Company zu William Boeing, seinem ersten Postfluge und seiner ersten Propellermaschine, dem Wasserflugzeug des Typs B&W. Diese Buchstaben stehen für die Initialen der Erbauer, William Boeing und Conrad Westervelt. Obwohl man im Zeitraffer durch die Jahrzehnte fliegt, landet man erst auf Seite 68 im Jetzeitalter, das bei Boeing 1954 mit der 707 startet. Dabei ist die Geschichte bis dahin nicht uninteressant, zumal sie Hintergründiges mit riesigen Bildern abwechselt und so für Kurzweil beim Blättern sorgt.

Die "Legende" 747 startet allerdings erst auf Seite 86, womit man schon fast das halbe Buch hinter sich hat. Jetzt aber: Flugzeugkenner, die glauben, nun starte die detaillierte Geschichte der 747 werden abermals enttäuscht. Stattdessen folgen einige nette großformatige Bilder aus der Anfangszeit des "Jumbos" sowie hintergründiger Fließtext.

Bald darauf dreht Frédéric Beniada schon wieder eine große Schleife am Himmel zu diversen Fluggesellschaften, wobei man wieder bis in die Propellerära zurückfliegt.  Ab Seite 120 sitzt man dann wieder in der 747 und kann Erfahrungsberichte aus viezig Jahren lesen – diesmal aus Sicht der Crew und der Passagiere, natürlich üppig bebildert mit heute teils skurril anmutenden Aufnahmen aus den siebziger Jahren.

Den Abschluss bildet dann die Typengeschichte, der die letzte Version, die 747-8 mit verlängertem Oberdeck leider nur noch sehr kurz anreißt. Das ist insofern schade, als dass ausgerechnet die deutsche Lufthansa der erste Kunde und damit treibende Kraft war, die Maschine überhaupt zu entwickeln – zumal Boeing sie auch dazu benutzt, Komponenten und Konstruktionsmerkmale des sagenumwobenen Dreamliners 787 vorab in Serie einzuführen.

Fazit: In Summe ist  Frédéric Beniada und dem Fotografen Michel Fraile in der Tat ein schönes, informatives und kurzweiliges Buch gelungen. Kapitäne der Landstraße und Logistik können mit dem nicht ganz günstigen Wälzer glücklich werden. Fans, die sich kleinste neue Details über die 747 erwarten, eher nicht – die könnte der Titel etwas in die Irre führen. (gs)

Frédéric Beniada, Michel Fraile: Boeing 747, Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2009, 183 Seiten, ISBN 978-3-7688-2647-1, 49,90 Euro

 
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13.07.2010Artikelinformationen

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