15.02.2010 |

Brasilien rettet MAN

München.Trotz Wirtschaftskrise und Korruptionsskandal versucht der neue Vorstandssprecher der MAN SE Georg Pachta-Reyhofen die Jahresbilanz positiv zu verkaufen. „MAN hat es auch 2009 geschafft, im operativen Geschäft einen deutlichen Gewinn zu erzielen. Das ist in diesem weltwirtschaftlichen Ausnahmejahr ein bemerkenswerter Erfolg und zeigt die nachhaltige Stärke unserer Gruppe“, betonte Pachta-Reyhofen heute in München. Operativ fährt der Münchner Konzern vor allem dank das internen Sparprogramms, das mehr als 700 Millionen Euro, davon allein 180 Millionen Euro durch die Kurzarbeit einsparte, bei knapp 12 Milliarden Euro Umsatz (-20 Prozent zum Vorjahr) ein Ergebnis von 504 Millionen Euro ein (-71 Prozent zum Vorjahr).

Vor allem Sondervorgänge wie die Wertberichtigungen der Scania-Anteile, Zurückstellungen für das momentan schleppende Russland-Geschäft sowie Kosten für die Aufarbeitung des Korruptionsskandals Mitte letzten Jahres mindern das Erbgenis um 656 Millionen Euro. Allein der gefallene Aktienkurs der Scania-Anteile belastet das Ergebnis mit 357 Millionen Euro. Die Aufarbeitung des Korruptionsverfahrens kostete das Unternehmen insgesamt 220 Millionen Euro. So dass für die Münchner im Ergebnis nach Steuern ein Minus von 258 Millionen Euro bleibt.

Überraschenderweise schreibt der Konzern im Nutzfahrzeuggeschäft schwarze Zahlen. Die 83.000 abgesetzten Einheiten generierten ein positives Ergebnis (51 Millionen Euro operativer Gewinn). Dafür ist vor allem die seit Ende März 2009 konsolidierte Brasilientochter MAN Latin verantwortlich. Die ehemalige Volkswagen-Sparte bescherte in neun Monaten 1,4 Milliarden Euro Umsatz und eine Gewinn von 142 Millionen Euro. In den anderen Nutzfahrzeugmärkten brachen Auftragseingänge (-43 Prozent) und Umsatz (-40 Prozent) ein und summierten sich auf einen Verlust von 91 Millionen Euro.

Auch wenn der neue MAN-Konzernchef und Leiter der Nutzfahrzeugsparte Pachta-Reyhofen bestätigt, dass die Talsohle im schwindenden Nutzfahrzeuggeschäft erreicht sei und seit Oktober die Auftragseingänge stets über dem Vorjahresniveau liegen, glaubt er, dass die Geschäfte in diesem Jahr auf einem ähnlichen Niveau wie 2009 verlaufen werden. Wachstumsmärkte bleiben weiterhin Brasilien, China, Indien und Russland. In China soll zusammen mit dem Partner Sinotruk eine neue Marke aufgebaut werden. In Indien sollen nach anfänglichen Produktionsschwierigkeiten nun bis zu 8000 Einheiten aus dem Joint Venture mit Force Motors jährlich an den Käufer gehen. Als Nachfolger des TGA WW soll in diesem Jahr der TGS WW als robuste Variante des Schwerlasters außerhalb von Europa angeboten werden.

Auf dem Heimatmarkt von MAN kämpfen die Transportunternehmen momentan um die Finanzierung ihrer Fahrzeuge und nutzen dazu vermehrt die Hilfe des LKW-Bauers. So finanzierten im vergangenen Jahr statt der üblichen 20 bis 25 Prozent der MAN-Kunden nun 25 bis 30 Prozent den Einkauf mit Hilfe von MAN. Die eigenen Hofbestände verringerte der NFZ-Riese von 11.000 auf unter 6000 Einheiten, was ihn knapp 100 Millionen Euro kostete.

Kosten wird auch die neue Abgasnorm Euro-6 für den Nutzfahrzeughersteller mit sich bringen. Die notwendigen Entwicklungsausgaben könnte man mit einem möglichen Partner Scania zusammen tragen. Was im Moment allerdings unwahrscheinlich ist. Zwar betonte Pachta-Reyhofen die „industrielle Logik“ einer Zusammenarbeit mit dem schwedischen LKW-Bauer, an dem MAN-Großaktionär Volkswagen ebenfalls beteiligt ist, dennoch besitzt dieses Thema für den MAN-Manager im Moment keine Priorität. Zunächst steht auch in diesem Jahr Kosten sparen auf dem Programm. Für die um 13 Prozent verkleinerte Belegschaft von 31.519 Mitarbeitern und Leihkräften heißt es im ersten Halbjahr an 50 Tagen (Produktion) beziehungsweise 40 Tagen (Verwaltung) Kurzarbeit. (rs)

 
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