Bahnfrachtreform: SNCF droht neuer Streiktag

09.10.2009 17:12 Uhr

SNCF will neuen Streik vermeiden / Streit mit Verladerverband über Folgen der Einzelwaggon-Reform / Staat erhöht Subventionen und plant neue LKW-Steuer

Paris. Der französischen Staatsbahn SNCF steht aller Voraussicht nach am 20. Oktober ein neuer Streiktag bevor. Offiziell begründet mit Forderungen nach höheren Löhnen, geht es dabei im Kern jedoch ein weiteres Mal um die geplante Reform des Frachtsektors. Dabei hat die Bahn in der letzten Woche noch versucht, dem gewerkschaftlichen Widerstand die Spitze zu brechen, indem sie sich bereit erklärte, die vorgesehene Filialisierung der ertragreichsten Aktivitäten im Frachtverkehr bis Juni nächsten Jahres hinauszuschieben. Ausserdem solle der bisherige Eisenbahnerstatus bei der Umsetzung dieses Konzeptes nicht angetastet werden. Erst wenn sich bis Mitte 2010 herausstellen sollte, dass eine solche „weiche“ Linie die Verluste nicht im erhofften Masse verringert, wolle man erneut eine privatrechtliche Regelung ins Auge fassen, erklärte das Staatsunternehmen. Das Angebot hat nichts gefruchtet, inzwischen haben sich drei Bahngewerkschaften auf einen neuerlichen Streik verständigt. Ärger hat SNCF auch mit den Verladern und deren Verband AUTF. Dieser kritisiert, dass die vorgesehene Umstrukturierung des Einzelwaggon-Verkehrs zu abrupt erfolgen solle. Den Verladern müsse eine Anpassungszeit von drei Jahren eingeräumt werden, andernfalls würden sie in Massen auf die Strasse ausweichen und dort einen LKW-Zuwachs bis zu 800.000 Fahrzeugen verursachen. SNCF-Frachtchef Pierre Blayau nannte das „eine dicke Lüge“ und drängte die Presse, diese nicht zu wiederholen. Dahinter stünden nur solche Verlader, die am liebsten alles beim Alten lassen wollten. Nach Informationen von Transports Actualités hat SNCF-Chef Guillaume Pepy kürzlich von einer massiven Subventionserhöhung für die Bahnfracht berichtet. Hierzu gehört als Folge, dass die von der Bahn an den Infrastrukturträger RFF zu zahlenden Mautgebühren bis 2015 auf dem heutigen Niveau eingefroren werden. Ferner werden die Hilfen für den Kombiverkehr ab dem kommenden Jahr nicht nur um 30 Prozent, wie bisher vorgesehen, sondern um 50 Prozent angehoben. Das Verkehrsministerium prüfe jedoch überdies, ob sich die Erhöhung nicht schon auf dieses Jahr vorverlegen lasse. Auf gewerkschaftlichen Widerstand ist in Frankreich nunmehr auch der privatwirtschaftliche Bahnfrachtsektor gestossen. Bei Veolia Cargo France ging letzte Woche ein erster Ausstand zuende, während ein weiterer bei Euro Cargo Rail (DB) bis zu einer Entscheidung der Unternehmensleitung über die Lohnforderungen suspendiert bleibt. (jb)

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