13.06.2007 | Transport + Logistik

Bahnen fordern Gleichberechtigung zur Straße

München. Politik und Eisenbahnvertreter haben den Abbau von technischen Mängeln und Hemmnissen im Schienengüterverkehr gefordert. Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der transport logistic in München – moderiert von VerkehrsRundschau-Redakteur Michael Cordes – plädierte Staatssekretär Jörg Hennerkes vom Bundesverkehrsministerium für eine Vereinfachung bei der Zulassung von international eingesetzten Fahrzeugen. „Ansonsten entstehen den Bahnunternehmen Kosten von rund 400 Millionen Euro durch verzögerte oder abgelehnte Zulassungsverfahren“, sagte Hennerkes. Die europäische Anerkennung von Lokomotiven erspare nicht nur Zeit, sondern vor allem viel Geld, zog der Staatssekretär ein halbes Jahr nach der Einführung des vollständigen Wettbewerbs im europäischen Schienengüterverkehr Bilanz.. „Es gibt zur Schiene keine Alternative, wenn in Zukunft die Transporte umweltschonend und kostengünstig abgewickelt werden sollen“, betonte er.

Ein ernüchterndes Bild in Bezug auf die Liberalisierung des europäischen Schienengüterverkehrs zeichnete Olaf Krüger, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft der Bahnspediteure (IBS). Derzeit seien nur 35 Prozent des europäischen Marktes voll liberalisiert. Ein Problem sei die Waggonbeschaffung, die zum Teil komplett in der Hand der Staatsbahnen sei. Er forderte deshalb die Förderung des Staates beim Kauf von Waggons durch Private. „Die Förderung durch den Staat darf sich nicht einseitig auf Intermodale Verkehre konzentrieren. Auch Railport-Verkehre müssen unterstützt werden“, appellierte Krüger an die europäische Politik.

Dennoch bewerteten die Bahnvertreter bei der Podiumsdiskussion die Liberalisierung des Bahnmarkts weitgehend positiv. „Die Liberalisierung in Großbritannien ist sehr erfolgreich. Es wird mehr Kapital in Schiene und Rollmaterial investiert“, sagte Graham Smith von der English Welsh & Scottish Railway (EWS). In den nächsten Jahren wird auf der Insel ein Wachstum der Bahn von 15 Prozent erwartet. Dieses Wachstum könnte über den Einsatz von längeren Zügen bewältigt werden. „Die Lokomotiven sind das geringste Problem. Die Infrastruktur ist ein weit größeres Problem, denn die muss 36 Tonnen verkraften“, gab Friedrich Smaxwil, Mitglied des Bereichsvorstands der Siemens AG Transportation Systems, zu Bedenken.

Kritisch bewerteten die Vertreter der Bahnen die ungleiche Behandlung von Straße und Schiene. „Unser Hauptkonkurrent Straße zahlt für die Nutzung der Infrastruktur extrem weniger als wir“, kritisierte Ferdinand Schmidt, Vorstandssprecher der Rail-Cargo Austria. Bahnunternehmen müssen heute etwas 20 Prozent ihrer Kosten für die Infrastrukturnutzung ausgeben – Tendenz steigend. Es verzerre den Wettbewerb, dass die Kosten für LKW bedeutend niedriger seien. „Es ist wichtig, für einen fairen Wettbewerb zwischen Straße und Schiene zu sorgen“, erklärte auch Christoph Wolff von Railion Deutschland.

Johannes Ludewig, Exekutivdirektor der CER, nannte es einen „Skandal“, dass externe Kosten nicht nach dem Verursacherprinzip in Rechnung gestellt werden dürften. „So ist keine sinnvolle Transportpolitik in Abstimmung mit der Umweltpolitik möglich“, betonte er. Die Preise müssten die Kosten der einzelnen Verkehrsträger widerspiegeln. Die Bahn wolle Marktanteile von der Straße zurückgewinnen. Von der Politik werde erwartet, dass sie die Rahmenbedingungen und Spielregeln dafür schaffe. „Wir wollen nicht in ein Rennen geschickt werden, das wir nicht gewinnen können“, sagte Ludewig.

Klar im Plus gegenüber der Straße ist die Schiene in Bezug auf ihre Umweltfreundlichkeit. Bahnen und Industrie arbeiten dennoch weiter an der Verbesserung des Verkehrsträgers in Bezug auf Emissionen und Energieverbrauch. „Die Bahn ist das umweltfreundlichste Transportsystem. Letztendlich hängt es aber am Auslastungsgrad der Bahnen“, sagte Smaxwil. Bahnoperateure setzten vermehrt auf die Nutzung von Biodiesel und Rußpartikelfilter sowie die Schulung der Lokomotivführer. Rail-Cargo Austria hat darüber hinaus rund 400 neue Lokomotiven in Betrieb gestellt, die in der Lage sind, Strom zu erzeugen. Durch die Rückspeisung des Stroms ins System, sei der Energieverbrauch um 10 Prozent gesunken, erklärte Ferdinand Schmidt. (tz)

 
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