12.10.2006 |

Autobauer: Biosprit-Förderung soll nachgebessert werden

Berlin. Die Automobilbauer VW und DaimlerChrysler wollen die Weiterentwicklung beim Biosprit vorantreiben, fordern dazu aber eine Nachbesserung bei der steuerlichen Förderung. So müsse die Förderung synthetischer Kraftstoffe der zweiten Öko-Generation über die bis 2015 gesetzte Frist hinaus verlängert und nach sozialen und ökologischen Kriterien vergeben werden, sagte der Leiter der VW-Antriebsforschung, Wolfgang Steiger, am Donnerstag auf einem Kongress in Berlin. „Nur in Verbindung mit weiterentwickelten Kraftstoffen lassen sich Verbrauch und Emissionen weiter reduzieren“, fügte sein Fachkollege von DaimlerChrysler, Hans-Otto Herrmann, hinzu. Beide Firmen sowie Bundesregierung und ihre Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) sind Veranstalter des zweitägigen Kongresses.

Im Interesse der Nachhaltigkeit wäre eine Staffelung der steuerlichen Förderung nicht nur nach CO2-Ausstoß sinnvoll, sagte Steiger. So könnte der Steuerbonus höher ausfallen, wenn die Rohstoffproduktion arbeitsintensiv sei, oder ganz wegfallen, wenn der Kraftstoff – zum Beispiel billiges Palmöl – aus Südamerika um den Preis des Abholzens von Urwäldern importiert werde. „Jeder kann dann seine Anlagen danach ausrichten, eine verbesserte Steuerbefreiung zu bekommen“, so der VW-Manager.

Nach dem jetzigen Energiesteuergesetz sollen Ethanol und künftige Biokraftstoffe wie BTL (Biomass to liquid) ohne weitere Auflagen bis zum Jahr 2015 steuerfrei bleiben. Sie werden als Zukunftskraftstoff – neben der Wasserstoff-Technologie – besonders gefördert, während Biodiesel der jetzigen Generation besteuert wird. Beim BTL wird aus Biomasse, das sind schnell wachsende Pflanzen, Stroh oder Resthölzer, Gas gewonnen, das im synthetischen Verfahren zu Sprit verflüssigt wird. Vorteile der neuen Entwicklung werden vor allem in dem größeren Rohstoffpotenzial – damit in der Verringerung der Abhängigkeit von Öl und Erdgas – sowie in langfristigen Kosten-Einsparungen gesehen.

Mit der Markteinführung von BTL, das in steigenden Anteilen herkömmlichem Dieselkraftstoff beigemischt werden soll, sei 2011 zu rechnen, mit der von Zellulose-Ethanol (Beimischung zum Benzin) zwei Jahre früher, sagte Steiger der dpa. Dann werde es noch einige Jahre Übergangzeit geben, in der parallel auch der bisherige Biokraftstoff am Markt bleibe. Machbar sei, dass bis 2030 die Hälfte des fossilen Kraftstoffs in Europa durch Biosprit ersetzt sei. Die Autobauer gehen davon aus, dass der Anteil der neuen Öko-Kraftstoffe am Sprit je nach Rohstoffangeboten Zug um Zug steigen wird.

Das Landwirtschaftsministerium sicherte der Branche weitere Forschungs-Unterstützung für das Gesamtprojekt „Vom Acker bis zum Tank“ zu. „Die Weichen müssen jetzt gestellt werden“, sagte Abteilungsleiter Clemens Neumann. „Deutschland muss seine Spitzenstellung ausbauen. Wir sehen gute Chancen, dass die Wirtschaft hier in neue Investitionen geht.“ Fachagentur-Leiter Andreas Schütte berichtete, man wolle jetzt aus dem Status von BTL-Versuchsanlagen herauskommen. Eine deutlich größere Demonstrationsanlage werde 2007 im sächsischen Freiberg mit einer Kapazität von 15.000 Tonnen BTL pro Jahr in Betrieb gehen. Laut Steiger soll noch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. VW plant ein gemeinsames Projekt mit einer kanadischen Firma, das die Spritproduktion voll auf Stroh stützt. (dpa)

 
Anzeige
 

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

12.10.2006Artikelinformationen

Social Networking
Bildnachweis

Frachtenbörsen

Transportausschreibungen

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 08.02.2012 | Recht + Geld
    Kaufland und Netto im Visier der Zollfahnder
    V 480 Truck meint: Lohndumping ist in der Transportbranche alltag. Da hat der Zoll noch viel zu tun[mehr…]
  • 08.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    V480 Truck meint: Gigaliner,Die Hersteller und die Politik ziehen an einem Strang um den Umsatzsatz mit Neufahrzeugen...[mehr…]
  • 07.02.2012 | Transport + Logistik
    Feinstaubwerte 2011 trotz Umweltzonen gestiegen
    juergen diercks meint: So geht das aber nicht weiter. Es koennen doch Wetter und Hochdruck nicht einfach darueber hinweg...[mehr…]
  • 07.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    Ludger Haack meint: Wir wollten an dem Feldversuch auch teilnehmen - durch die "Sturheit" diverser Bundesländer...[mehr…]
  • 06.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    Rudolf Röhlich meint: Wir wollten an dem Feldversuch auch teilnehmen, weil wir auf manchen Relationen unpaarige WB abholen...[mehr…]

Frage der Woche

Jahresabo Premium

Jahresabo

Profitieren Sie ein Jahr lang von den Premium-Vorteilen der VerkehrsRundschau!


Mit hochwertiger Prämie! [Bestellen]

Neueste Meldungen

Fahrverbotskalender

Europäische Fahrverbote im Überblick

Unser Fahrverbotskalender gibt einen Überblick über die LKW-Fahrverbote in mehr als 25 europäischen Ländern. Der Kalender erscheint quartalsweise als Zugabe zur Printausgabe, er kann aber auch gesondert bezogen werden. Bestellen können Sie den Kalender außerhalb des Abos zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer unter 089/20 30 43 11 00 (Fax -2100) oder per Mail: vertriebsservice@springer.com.

Beliebteste Galerien

Mini-Abo Online

miniabo

Testen Sie jetzt VerkehrsRundschau Online vier Wochen lang für nur 19 €

[Bestellen]

Beliebteste Meldungen