10.07.2009 |

AUA-Übernahme durch Lufthansa droht zu scheitern

Brüssel. Die Übernahme der angeschlagenen Austrian Airlines (AUA) durch die Deutsche Lufthansa droht zu scheitern. Neue Zugeständnisse, die der Luftfahrtriese der EU-Kommission am Freitag in Brüssel informell vorlegte, stießen bei den EU-Wettbewerbshütern auf scharfe Kritik. „Wenn wir nicht in den nächsten Stunden anständige Maßnahmen von Lufthansa auf den Tisch bekommen, wird es unmöglich sein, den Prozess in Gang zu bringen, um bis Ende Juli eine Entscheidung zu treffen“, sagte der Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Freitag in Brüssel. Damit wird für die angeschlagene AUA die Zeit knapp. Denn Lufthansa hatte zur Bedingung gesetzt, dass die EU-Kommission bis zum 31. Juli grünes Licht für die Übernahme gibt.

Ohne ein „Wunder“ sei dies jedoch nicht mehr möglich, sagte der Sprecher. „Die Chancen für eine schnelle Entscheidung schwinden.“ Am 1. Juli hatten die EU-Wettbewerbshüter ein vertieftes kartellrechtliches Prüfungsverfahren der Übernahme angeordnet. Die Behörde begründete dies damit, dass das Vorhaben unter anderem auf einigen Strecken zu höheren Preisen führen könnte. Um den Wettbewerb nicht zu gefährden, sollte Lufthansa Zugeständnisse machen, wie etwa auf bestimmte Strecken zu verzichten, die dann von der Konkurrenz geflogen werden könnten.

„Die überarbeiteten Lösungsvorschläge sind nun bedauerlicherweise schlechter als das, was wir auf dem Tisch hatten, als wir die Prüfung eingeleitet haben“, sagte der Sprecher. „Hier wurden ein Schritt voran und zwei zurück gemacht.“ Es sei sehr schwer zu verstehen, warum Lufthansa diesen Ansatz wählt, „wenn sie aufrichtig an einer schnellen Entscheidung der Kommission interessiert wäre“.

Eine Lufthansa-Sprecherin wollte keine Angaben zu Einzelheiten des neuen Angebots machen, stellte allerdings klar: „Wenn wir keine Freigabe bis Ende Juli erhalten, dann scheitert der Deal.“ Auch der Kommissionssprecher hielt sich mit Details zu den geforderten Zugeständnissen zurück: Es gehe um bestimmte die Strecken, die den Flughafen in Wien beträfen.

Theoretisch haben die Wettbewerbshüter bis zum 9. November Zeit, sich zu entscheiden. Zudem muss die Kommission auch noch grünes Licht für eine 500 Millionen Euro hohe Staatshilfe geben. Diese Genehmigung wurde von Lufthansa als Voraussetzung für die Übernahme gesetzt. Lufthansa hatte im Dezember 2008 vereinbart, rund 42 Prozent an der hochdefizitäre österreichische Fluglinie für 366.000 Euro zu kaufen. Zudem sieht der Vertrag weitere Zahlungen je nach wirtschaftlicher Entwicklung des Unternehmens vor. Insgesamt könnte Lufthansa für eine Komplettübernahme maximal 382 Millionen Euro auf den Tisch legen.

Die AUA-Aktie stürzte nach den Neuigkeiten auf fast acht Prozent in den Keller. Zuletzt lag sie mit 5,04 Prozent im Minus bei 3,77 Euro. Die Lufthansa-Aktie hingegen erholte sich leicht von ihren Vormittagsverlusten und lag mit 0,87 Prozent im Minus bei 8,65 Euro. (dpa)

 
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