14.07.2008 | Transport + Logistik

"Alles in Obi"

"Heute 20 Prozent auf alles — bis auf Tiernahrung“, schreit es aus dem Radio, „Hier spricht der Preis“, verkündet Praktiker, „So geht günstig“, kontert Konkurrent Hornbach – in kaum einer Branche tobt der Preiskrieg so wild wie bei den Bau- und Gartenmärkten. Nur Obi hält sich auffällig aus den Rabattschlachten heraus.

Der Marktführer aus Wermelskirchen setzt stattdessen voll auf Qualität. „Wir wollen den Kunden dabei helfen, ihre Pläne umzusetzen“, beschreibt Roland Hillen, Geschäftsführer Logistik bei Obi, die Strategie. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, baut die Gruppe seit drei ­Jahren ihre Logistik komplett um. Hauptziel: ­Waren sollen lückenlos verfügbar und die Lieferzeiten kurz sein. Wie Obi den Umbau angegangen ist, schilderte Hillen vor kurzem auf dem GS1-Nonfood-Kongress in Köln.

Die Ausgangslage war beim Branchenprimus noch vor Kurzem keineswegs perfekt. An vielen Stellen der Logistikkette knirschte es. So war zum Beispiel zwar „alles in Obi“, doch wann genau Ware in den Märkten eintreffen würde, wusste oft niemand in der Filiale. Diese Unordnung hatte zwei Gründe: Zum einen bestellten die Mitarbeiter in den Häusern immer dann Produkte, wenn es eine Nachfrage gab – ohne Rücksicht auf Mindestmengen oder Bestellfenster. Zum anderen lag die Steuerung der Versorgungsketten in der Hand eines externen Dienstleisters, der Lieferungen eher nach dem Zufallsprinzip bündelte. Wie jeder Frachtführer verfolgte er vor allem das Ziel, seine Fahrzeuge optimal auszulasten; ob im Obi-Markt leere Regale drohten (Out-of-Stock-Situation), ging in seine Rechnung kaum mit ein. „Die Kundenzufriedenheit war nicht immer im Fokus“, räumt Hillen ein.

Die Folgen dieser Logistikstrategie: Es gab viele ungesteuerte Anlieferungen über Stückgutnetzwerke, die Wiederbeschaffungszeiten waren lang, und an den Rampen herrschte mitunter Chaos, wenn wieder eine unangekündigte Lieferung eintraf, die spontan in die Regale eingeräumt werden musste. Hier Abhilfe zu schaffen, fiel Obi schwer, weil das Unternehmen mit vielen Dienstleistern keine genauen Dienstgütevereinbarungen (Service Level Agreements, SLAs) abgeschlossen hatte.

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