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18.01.2016Transport + Logistik │ Ausland

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premiumAir France/KLM: Wachstum statt Sparkurs

Dank besserer Zahlen weicht die Fluggesellschaft von ihrem Sparplan ab und will wachsen. Das sorgt auch für Frieden mit der Gewerkschaft.
KLM, Air France

Das Management kündigt einen neuen Kurs an: Wachstum statt Sparen

Foto: KLM

Paris. Nach mehreren Monaten heftiger Auseinandersetzungen mit tauben Ohren auf beiden Seiten scheint nun bei Air France/KLM wieder Vernunft einzukehren. Die führende Gewerkschaft CGT Air France hat einen für den 28. Januar angekündigten Streik wieder abgeblasen und die Leitung des franko-niederländischen Luftfahrunternehmens stellte bei einer außerordentlichen Sitzung des Betriebskomitees einen neuen Plan vor, mit dem sie dem Personal entgegenkommen und zugleich eine neue Schneise für mehr Wachstum öffnen will. Nach „Perform 2015“, genannt „Plan A“, und der modifizierten Version „Plan B“ nun also ein dritter Plan „A+“, mit dem die Geschäftsführung von dem zuletzt gefassten Personalsparplan abweicht.

Im Bereich des Bodenpersonals soll demnach bis Ende Juni 2018 auf erzwungene Kündigungen verzichtet werden, ermöglichen will das Unternehmen den Beschäftigten jedoch bis April 2017 ein freiwilliges Ausscheiden. Das kündigte der neue Personalchef Gilles Gateau an, der seit dem 1. Januar im Amt ist. Ferner will er mit den Hostessen und Stewards über einen neuen Tarifvertrag verhandeln; der bisherige läuft im Oktober aus.

Annäherung an Piloten

Verhandlungsbereitschaft bekundete Gateau ebenso gegenüber den Piloten, mit denen Air France/KLM in der Frage zumutbarer Mehrbelastungen wie längere Arbeitszeiten zugunsten höherer Profitabilität seit über einem Jahr im Dauerclinch liegt. Für 2017 seien auch Neueinstellungen möglich. Die Gesellschaft will jedoch weiterhin ihre Bemühungen um mehr Wachstum an entsprechende Anstrengungen insbesondere des fliegenden Personals knüpfen, - nur anders als bisher. Die jeweiligen Produktivitätsziele sollen nunmehr nicht mehr oktroyiert, sondern mit dem Personal gemeinsam ausgehandelt und fixiert werden.

Beerdigt scheint nach alledem der „Plan B“, der am 5. Oktober auf einer turbulent mit körperlichen Übergriffen verlaufenen Betriebsversammlung vorgelegt worden war. Er sah eine Verringerung der Flugzeugflotte, die Einstellung diverser Linien, geringere Flugfrequenzen und die Streichung von fast 3000 Stellen vor. Nunmehr soll bei Air France/KLM die Zahl der im Langstreckenverkehr eingesetzten Maschinen schrittweise von 104 im nächsten Jahr bis 2020 auf 109 erhöht werden. Für die Lowcoast-Tochter Transavia France ist ebenfalls bis 2020 eine Aufstockung von derzeit 26 auf 40 Flieger vorgesehen.

Günstiges Kerosin hilft der Airline

Die stark gesunkenen Treibstoffkosten und der dadurch bedingte Betriebsgewinn des letzten Jahres hätten für ein ehrgeizigeres „Wachstumsprojekt 2017“ einen unerwartet günstigen Kontext geschaffen, erklärte Air France-Vorstand Frédéric Gagey. Gegenüber den Piloten und ihrem Verband SNPL schlug er jetzt einen anderen Ton an, konzilianter, nachdem er bislang mit rigiden Maßnahmen gedroht hatte für den Fall, dass die Piloten mit der Vorgabe von 17 Prozent mehr Produktivität nicht einverstanden seien.

Nach Berechnungen der Pariser Le Monde dürfte das Betriebsergebnis 2015 für Air France statt der eingangs erwarteten 250 Millionen Euro letztlich 400 Millionen ausweisen und der Bruttobetriebsüberschuss (EBITDA) könnte auf 1,7 Milliarden Euro lauten. Nähme man die von KLM erzielten Gewinne hinzu, käme man sogar auf 2,2 Milliarden Euro. (jb)

Mehr zum Thema: Luftfracht & Aircargo (Wiki)

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